Sergio und Gemma laden uns ein, auch noch den zweien Autotag mit ihnen zu verbringen, da soll es in den Norden gehen. Darauf freue ich mich besonders, denn da
steht das ehemalige Hsus von Cesar Manrique. Und das soll, der Beschreibung nach, etwas ganz besonderes sein. Doch dazu später…
Erstmal aber geht es nach Arrecife, der Hauptstadt Lanzarotes, „kurz nach ein paar Ersatzteilen“ fürs Boot gucken. „kurz“ entpuppt sich als jeweils eine Stunde in je einem Segelladen. Wer über Frauen und Schuhe lästert, möge einmal Segler zu ihren „Shipchandlern“ begleiten….Der Vergleich hinkt natürlich insofern, als Frauen Schuhe nicht lebensrettend brauchen, das ein oder andere Bootszubehörl aber doch sicherheitsrelevant sein kann.
Dennoch werde ich den Verdacht nicht los, dass Männer unter anderem deshalb so gerne segeln, weil sie einen Anlass haben, ihre gesamte Werkstatt auszupacken. Über das ganze Boot zu verteilen! Himmlisch – (wenn nur nicht die Seglerfrauen wären, die gerne in einigermaßen ordentlichen Räumen leben, gewisse Konflikte sind da vorprogrammiert). Und dann –den ganzen Tag frickeln. basteln, reparieren, umbauen! Das Paradies.
Sergio und Peter geben mir auch Recht – fast. Was wir an Reparaturen haben, macht auch ihnen keinen Spaß mehr. Und wir vier sind nicht die einzigen. Jeder, den wir treffen und der auf Langfahrt gehen will, bastelt und flucht, flucht und bastelt. Und es hört nie auf…
Wir brauchen ja eine neue Ankerkette. Die alte – Edelstahl, wir erinnern uns-, ist verrostet, das hätte richtig böse enden können. Wir klappern also bei der Gelegenheit die Segelläden nach Ketten ab. Nun ist, lehrt uns Sergio glücklicherweise, Ankerkette nicht gleich Ankerkette. Es gibt welche aus Edelstahl und verzinkte, klar, es gibt verschiedene Längen der Ketten und der Kettenglieder. Dass es aber auch Bezeichnungen wie DIN oder ISO gibt, das ist nicht nur uns, sondern auch so ziemlich jedem Verkäufer neu. Ist aber wichtig! DIN oder ISO entscheidet über den Durchmesser des Kettenglieds. Und muss der Nuss auf der Ankerwinde angepasst werden, sonst gibt’s Ankerkettensalat, und den nicht zu knapp.
Erstmal wissen wir überhaupt nicht, welches Mass auf unsere „Nuss“ gehört. Das allein herauszufinden, kostet schon fast eine Stunde Zeit. Wir sind DIN. DIN 766. So.
Dann muss jeder Verkäufer, den wir fragen, seinen Chef fragen. Und dann sollen wir nochmal anrufen…
Sergio fragt verzweifelt in jedem neuen Laden nach einem passenden Messinstrument für seinen Tankdeckel, auch ziemlich lebenswichtig. Und absolut frustrierend. Es gibt es in ganz Arrecife nicht.
Es wird 15 Uhr, da haben wir außer der Hafenmeile von Arrecife noch überhaupt nichts gesightseeingt. Aber Hunger. Sergio fragt – Sergio liebt es, Leute zu fragen, er war mal Psychologe, aber auch davon später mehr -, und wir landen in einer Kneipe, die wir nie freiwillig betreten hätten. Mitten im dreckigsten Industrieviertel. Und natürlich: sowas von gut! Fisch! Tintenfisch! Wein! Eine Entdeckung.
Und dann treppele ich doch ein bisschen. Cesar Manrique! Wer weiß, wann das Museum schließt! Also gut…siehe: Cesar Manrique

