Kalabrien per Auto I

Wir haben uns ein Auto gemietet. Schweineteuer, aber wir müssen mal raus.

Der Tag wird etwas überschattet – meine Patentante ist gestorben, und ich wäre sehr gern nach Deutschland zur Beerdigung geflogen, aber Flugpreise und –zeiten sind aberwitzig. So packt mich ab und an eine große Traurigkeit, vielleicht ist es gerade gut, im Auto die Landschaft an mir vorbeiziehen und meine Gedanken fliegen zu lassen.

Erste Station ist Locri, von dem alle schwärmen – griechische Skulpturen, Ausgrabungsstätten, das Museum! Nur leider hat das Montags geschlossen…

Wir fahren in die Berge. Und das ist es so schön! Grün, saftig, frisch. Als wir nach dem Weg fragen, schaut uns unsere Auskunftgeberin zwar zweifelnd an – der Weg über die Berge zur nächsten von Carla empfohlenen Stadt ist kurvig, eng, geröllig – manchmal kaum passierbar! So ist es denn auch, aber wir kommen heil durch eine grandiose Landschaft mit sagenhaften Ausblicken.

Mitten im Nichts – zwei Verkaufsstände, von Männern gehütet, mit Oliven, Käse, Brot, Spezialitäten aus der Region. Wir fragen uns, wer hier etwas kauft? Wir haben kein einziges weiteres Auto gesehen. Aber immerhin wir schlagen zu. Olivenöl? Das hat er leider nicht, im nächsten Ort.

Ein verlassenes Nest. Wir suchen das Olivenöl. Und finden einen kleinen Laden. Vor uns eine Familie, die sich Brötchen belegen lässt und ausgiebig über das wie und was debattiert. Das dauert, wir werden typisch deutsch ungeduldig und lästern, als sich die Frau umdreht und auf „denglisch“ anspricht. Ihr Mann arbeitet in München, stellt sich heraus. Sie will im November mit dem Rest der Familie hinterherziehen und hofft auf Arbeit. Es gibt für die Kinder hier keine Zukunft. Wir wünschen ihr viel Glück und schämen uns für unsere Ungeduld. Und ziehen mit belegten Brötchen und zwei Flaschen selbstgepresstem, sehr gutem! wie die Besitzerin verspricht, Olivenöl ab. Ich glaube es ihr sofort. Die Menschen sind stolz auf ihr Land. Und auf das, was es hergibt.

Nach einem Picknick im kühlen Wald erreichen wir endlich Gerace – hochgelobt nicht nur von Carla, sondern von allen, die wir fragten. Vielleicht liegt es daran, dass es irre heiß ist – aber uns gefällt es da nicht so.

Ich möchte eine Kerze anzünden für meine Tante. Ich bin zwar nicht gläubig, aber Kerzen anzuzünden für die Menschen, die mir nahestanden und wichtig waren, finde ich eine schöne Tradition.

Gerace hat einen bekannten Dom. Doch der hat geschlossen. Von 12:45 bis 15 Uhr. Also harren wir aus, trinken Cafe, laufen durch die Gassen und finden das Städtchen immer noch nicht besonders. Um 15 Uhr öffnen sich die Pforten der Kathedrale – ein Museum mit allem Prunk, zu dem die katholische Kirche fähig ist, ist ihr angeschlossen, in der Kathedrale selbst dann – elektrische Kerzen. Per Knopfdruck zu entzünden. Neben einem entsetzlich entstellten Jesus. Nein, so dann doch nicht.

Wir fahren weiter…

 

 

 

 

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