…beginnt nicht gerade sonntäglich. Vor uns liegt seit neuestem ein anderer Fischkutter – nicht der, der uns den tollen Fisch geschenkt hat, sondern einer, der sein Boot nicht sauber hält und offensichtlich eine Fischzucht betreibt. Dazu bekommt er Fischmehl geliefert. Es…stinkt. Bestialisch.
Noch dazu hat in der Nacht jemand seine Notdurft in einer Ecke vor unserem Schiff verrichtet. Mangels öffentlicher Toiletten hoffentlich und nicht, um uns die Meinung zu sagen.
Wir liegen also zwischen Pest und Cholera bzw. öffentlicher Bedürfnisanstalt und Fischzucht…
Und gehen erstmal Kaffee trinken in unserer (da auch einzigen) Lieblingsbar. Da kriegen wir Internet.
Wir müssen Fugendichtungsmaterial bestellen. Peter ist ja dabei, das Teakdeck zu verfugen. Die Fugen bröckeln, dadurch kommt Wasser unters Holz, zerstört es und gelangt am Ende auch ins Boot. Darum also muss man sich kümmern..
Nun ist es dummerweise so, dass es zwei Fugendichtungsmassen gibt – eine auf Silikonbasis, die andere irgendwie anders. Hat man aber einmal Silikon gebraucht, braucht man es immer, weil die Öle ins Holz dringen und sich nicht mehr mit anderen Dichtungsmitteln vertragen.
Diese, unsere, spezielle Dichtungsmasse gibt es nur bei einem Händler in Deutschland. Und: Sie kann nicht länger als drei Monate gelagert werden, obwohl die Kartuschen fest verschlossen sind. Mitnehmen auf Vorrat geht also nicht.
Dann eben im Internet bestellen und hierher schicken lassen. Ein Weilchen bleiben wir ja wohl noch. Wir füllen also Formulare aus, recherchieren, ergänzen die gefragten Informationen und brauchen dafür fast eine Stunde. Puh. Abschicken! Es erscheint: „Sie lassen die Ware ins Ausland schicken. Bitte kontaktieren sie uns telefonisch.“ Es ist Sonntag…
Peter kocht. Eine Stunde für nichts! Er muss dringend etwas tun, sonst platzt er.
Deck oder Holz abschleifen – geht nicht, zu laut. Es ist Sonntag.
Dann den galvanischen Isolator installieren! In Kürze verhält es sich nämlich so: Schiffe haben ein elektrisches Potential durch Batterien oder den Strom, an den sie in Häfen oder Marinas angeschlossen sind. Nun kann dieses Potential variieren. Da Salzwasser leitend ist, suchen sich die stärkeren Potentiale den Weg zum schwächeren, weil sie die Potentiale ausgleichen wollen. Dabei docken sie an Metallen an und transportieren die elektrischen Ströme unedlerre ab …
Es kann also durch diese galvanische Korrosion zu erheblichen Schäden an Schiffen kommen (die Antriebswelle, die Schiffsschraube kann zerstört werden, Wassertanks angefressen werden…) Um das zu verhindern, werden an Schiffen sogenannte Opferanoden angebracht, unedles Metall, dass die Ströme anfressen, da leichter anzugreifen, und edlere Metalle dadurch verschonen (wir hatten früher keine Opferanode, da unser Vorbesitzer meinte, sein Boot brauche das nicht, und haben bitter dafür bezahlt).
Unter Landstrom, d.h. wenn Boote im Hafen ans normale elektrische Netz angeschlossen sind, sind die elektrischen Ströme so groß, dass die Opferanode sehr schnell abgefressen wäre. Deshalb gibt es den galvanischen Isolator. Er wird in das Stromnetz eingebaut und verhindert, dass diese galvanischen Ströme fließen können.
Eine feine Sache also. Und ihn einzubauen, geht ganz schnell. Sagt mein Mann und kriecht bei 35 Grad in die Backskiste (unser „Keller“, aber eng, heiß, stickig). Da ist es 11.
Um 17 Uhr ist die Kontrollleuchte angeschlossen. Und leuchtet – rot. Leuchten muss sie – grün.
Also ist entweder alles falsch montiert oder, was wahrscheinlicher, da den Italienern ja nie zu trauen ist, sind die Ladestationen falsch gepolt. Das heißt, Peter muss unseren Stecker umpolen. Gesagt, getan. Die Kontrollleuchte leuchtet nun – grün! Geschafft! Leider leuchtet die Kontrollleuchte für den Landstrom dafür nun gar nicht mehr…
Mein armer Mann.
Wir gehen erstmal in unsere Lieblingsbar, ein Bier trinken oder zwei.
Und treffen Sandra und Berthold, auch Deutsche, die mit ihrem Boot im Mittelmeer unterwegs sind, bleiben, wenn es ihnen gefällt, weiterziehen, wenn nicht. Aus Roccella wollen sie bald weg…Aus den ein, zwei Bieren wird ein netter Abend, zumal die Barbetreiber uns aufs Feinste verköstigen – Tomate, Bruschetta, Mozzarrella, Schinken, Oliven…und das alles aufs Haus!
Anschließend ziehen wir aufs Jazzfestival, das noch jazzigeren Jazz als am Abend vorher bietet – wir bleiben nicht sehr lange.
„Daheim“ ist der Fischkutter weg. Wenigstens etwas….
PS: Peter hat gerade gegengecheckt bei Timo, unserem SWR-Elektriker, ob das richtig war, was er getan hat. War es. Nur wir – sind von jeher mit falsch gepoltem Landanschluss gefahren…Und das hätte böse enden können…
So, nun, Ihr Lieben, dürft ihr gerne den galvanischen Isolator kommentieren…:-))))