war überraschend und großartig. Schon auf der Fähre sprach uns ein „Guide“ an, der uns dann um die Insel kutschierte. Nicht mit wahnsinnig viel Lust, aber gesehen haben wir trotzdem viel. Schluchten! Kleine Städtchen, viel einfacher gebaut und mit viel weniger Infrastruktur als Mindelo.
Afrika für Anfänger
nennt Milan, ein netter Mensch, der hier schon lange lebt und Seglern in allen Lebenslagen hilft, Mindelo und die Cap Verden.
Naja – Afrika? Kein Sand, keine Wüste. Dunkelhäutige Menschen, klar. Eine entspannte Atmosphäre, die ansteckt. Viel Musik! Armut, sicher auch, aber nicht so sichtbar. Man ahnt sie, wenn zahnlose alte Frauen an der Strasse Fisch aus kleinen Eimern verkaufen.
Es ist schön hier! In der Marina grade sowieso. Hier haben sich alle gesammelt, die der Flaute entfliehen wollten – ARCler, die Cornell-Truppe, die Konkurrenz zur ARC, die nach Barbados segelt. Millionenschwere Yachten, Familienboote, alte Kähne, auf denen es aussieht wie zu besten WG-Zeiten in den 80er Jahren.
Alte Hasen, die schon oft „rübergemacht“ haben, Senioren, junge Leute, die nach dem Studium aussteigen oder Elternzeit auf dem Boot nehmen (!!!ist grade sehr en vogue!!!), normale wie wir, und überall bastelt, flucht es noch, werden Netze gespannt für Obst und Gemüse, Kisten voller Milch und Konserven (so es sie hier gibt, die Auswahl ist nicht so groß) geschleppt – Aufbruchstimmung. Total nett. Von der Insel sehen wir allerdings nicht so viel. Das Boot hat mal wieder Vorrang.
Zweimal ist uns ja der Motor auf dem Weg hierher stehengeblieben – eine Luftblase in der Dieselleitung. Der Deckel des Wasserabscheiders war der Schuldige und ein paar alte Anschlüsse, die Luft gezogen haben. Da muss man ja erstmal drauf kommen!
Peter hat sich einen ganzen Nachmittag in den Motorraum gequält und hat alle Leitungen neu verlegt, einen neuen Filter eingebaut – jetzt dürfte nichts mehr passieren! Der Dank – er ist krank, der Arme. Magen. Dabei haben wir so gut gegessen!
Vielleicht waren es auch die ausgiebigen Abende in der „Floating Bar“, die zur Marina gehört (Foto folgt) , und wo „man“ sich trifft – auf ein Bier oder zwei, einen Rum oder zwei…sich austauscht, Tipps weitergibt – und schlicht hängenbleibt.
Morgen wollen wir nun wirklich mal ein bisschen von Land und Leuten sehen und nehmen die Fähre auf die Nachbarinsel Sao Antao, die sehr schön sein soll. Wir berichten!
Angekommen!
Nach genau ener Woche, 867 Meilen, die meisten unter Motor, mit noch etwas Sprit im Tank, inklusive Luftblase in der Leitung, infolgedessen zweimaligem Motorausfall – endlich iin Mindelo, Sao Vincente, Kapverden. Und mal tagsüber! Wir sehen noch, wohin wir Fahrten. Das ist hier auch nötig, da die Bucht schlecht „betonnt“, aber voller Wracks ist. Wir ankern. Sind gar nicht mal müde. Werden geich von unseren Nachgarn, jungen Franzosen, zum Kaffee eingeladen.
Laufen später durch die Stadt. Etwas verfallener, als ich gedacht hatte. Ziemlich leer. Sonntag…Morgen ist es bestimmt bunter.
Wir essen einer witzigen Kneipe – sehr gut – , und lernen andere Segler kennen. Die uns in die Marinabar mitnehmen. Der Skipper lädt uns ein zu Rum – auf Fidel, der am Zag vorher gestorben ist. Und noch einen auf Fidel.. (der rum wird hier in Saftgläsern ausgeschenkt….)
Wir wanken zurück auf unser Boot. Und fallen in die Koje…
Gran Canaria – Puerto Mogan, Iridium Teil 2
24.11.16
Wir haben den Parasailor gesetzt, dieses Monstrum, und machen nicht nur ordentlich Fahrt, sondern er trägt uns förmlich über die Wellen – Schluss mit dem nervtötenden Geschaukel. Segeln ist schön!!!
25.11. 16
Nachtwache. Über uns eine Kuppel von Sternen, unzählige. Kein Horizont zu sehen, Meer und Wolken verschwimmen. Es ist märchenhaft. Aber irgendwie auch beängstigend. Wir sehen nicht, wohin wir fahren. Keine Menschenseele um uns herum, keine Funksprüche, nichts. Um halb 5 ist irgend etwas anders…Es wird warm! Wir sitzen nachts dick eingemummelt im Cockpit, selbst Peter trägt da dicke Socken. Aber jetzt – beginnt die Barfussroute !!!
25.11.16
Fünfeinhalb Minuten trennen uns von einem entspannten Motoren nach Mindelo und einem angespannten Warten auf wenigstens ein bisschen Wind.
Wir haben nicht mehr viel Sprit. Hätten wir bloß ein bisschen früher – die fünfeinhalb Minuten – in Gran Canaria abgelegt! Oder die zwei Stunden gewartet, bis die Tankstelle wieder öffnet. So aber fehlen uns 100 Liter Diesel. Von denen wir überhaupt nicht angenommen haben, sie zu gebrauchen. Ab Mittwoch, war die Ansage, kommt der Passat! Unsere Wettervorhersage ging freilich auch nur bis Freitag Nacht…
Der aktuelle Wetterbericht prognostiziert: Flaute. Und das heißt für uns – Dümpeln. Oder mit viel Glück den Parasailor setzen, wenn der Wind knapp reicht – 10 Knoten muss er schon haben.
Wir bereiten das Wundersegel vor – und nichts stimmt. Die Schoten (Leinen) sind falsch angeschlagen, der Niederholer hat sich mit dem Fall (auch ne Leine) qverheddert – wir entwirren und entwirren – zur Belustigung der Delfine, die uns begleiten und sich wahrscheinlich einen Ast lachen.
Endlich liegt das Teil vor uns, bereit zum Setzen. Da ist der Wind ganz weg. Wir starren auf die Windanzeige, als könnten wir sie hypnotisieren. Nichts.
Noch 250 Meilen, 2 Segeltage, hatten wir gehofft. Nun ist wohl doch noch ein längerer Weg nach Mindelo…
Gran Canaria – Puerto Mogan, Iridium Teil 1
20.11.16 Gran Canaria, Puerto Mogan
13:05 – wir legen ab Richtung Kapverden, Entfernung: ca. 740 Seemeilen. 5 Minuten zu spät, denn die Tankstelle hat von 13 bis 15 Uhr Siesta. Das ist blöd, wir brauchen Sprit. Zumal wir den Wind wieder mal dagegen und schwach haben. Wir motoren also.
21.11.16
Keine besonderen Vorkommnisse, der Tag geht rum.
22.11.16
Und schon wieder ist eine Nacht rum. Wir genießen die Nachtwachen so, dass wir sie kaum abgeben mögen. Liegen im Cockpit, schauen in die Sterne, hören Musik, dösen, haben einen kleinen leisen Wecker auf 20 Minuten gestellt, damit wir nicht einschlafen, lassen dann pflichtbewusst den Blick rundum und über den AIS-Plotter schweifen – alle Boote in genügender Entfernung, Frachter weichen aus (uns, einem kleinen Segelbötchen!) – alles gut.
Am Morgen hat Peter die Nase vom motoren voll. Das führt zu Diskussionen. Ich habe nachts fast 7 Knoten gefahren und damit schon fast 1/3 des Weges geschafft! Und keinerlei Lust, den Schnitt wieder kaputtzudümpeln – ohne Motor machen wir mal gerade 4 Knoten. Lieber stecke ich mein Taschengeld in den Dieseltank!
Der Kompromiss – wir setzen den Parasailor, ein besonders geschnittenes Leichtwindsegel mit einer Klappe, damit die Böen ausgeglichen werden können. Das dauert zwar zwei volle Stunden und ist ein ewiges Geraffel mit allen Leinen, aber als er dann steht, laufen wir über 6 Knoten – und das ohne das Geschaukel, das uns bisher begleitet hat. Ge…nial!!!
Vor Begeisterung überlegen wir zu lange, ob wir ihn nicht doch nachts stehen lassen sollten – und entscheiden erst in der Abenddämmerung, ihn einzuholen. Im Dunkeln auf dem Deck bei dem nun wieder starken Geschaukel zu arbeiten, ohne über Bord zu gehen (machen wir nicht, keine Angst!) oder (Gott bewahre!)den Parasailor zu verlieren – Stress pur. Und Peter hat auch noch Kopfschmerzen!
23.11.16
Ich hätte es nicht schreiben sollen, dass die Nachtwachen so schön sind. Die nächste ist es nicht! Es wird kalt, es regnet. Und dann…
Ein kurzes Katastrophenprotokoll:
5:45, meine Wachschicht, ein Segler fährt lange neben uns – wie nett, denke ich, der will auch auf die Kapverden. Bis er uns auf einmal kreuzt. Verdammt. Ich rufe, nein schreie nach dem Käpt’n, der gerannt kommt, Gas gibt und die Lage sofort im Griff hat. Nochmal gut gegangen!
6:05, der Motor verabschiedet sich. Ein letzter Seufzer, dann – nichts. Peter kann auf die Schnelle keine Ursache finden, wahrscheinlich Luft in Filter und/oder Leitung.
6:30 wir segeln dann eben –mit Großsegel backbord und ausgebaumter Fock steuerbord. Bilderbuchmäßig – Passatbesegelung vor dem Wind. Um die 5, 7 Knoten, nicht schlecht. Nur die Wellen schlagen…
8:25, der Spi-Baum bricht. Wir bergen Restbaum und Groß und fahren nurmehr mit Fock. Die schlägt und schlägt und schlägt, wir machen kaum Fahrt. 4,2; 4,3,…Und haben noch nichtmal die Hälfte der Strecke zu den Kapverden geschafft, geschweige denn, in die Karibik!
9:30, Verspätetes Frühstück. Die Wellen kommen massiv aus allen Richtungen. Eine ist richtig hoch und schlägt Kaffeereste und –becher durch das gesamte Cockpit.
9:45, Wir gucken uns an und fragen uns, warum wir uns das alles antun.
12:10, Die Sonne lässt sich kurzzeitig blicken, schon wird es warm und die Welt sieht weniger bedrohlich aus.
14:00, Der Käpt’n kümmert sich nochmal um den Motor. Und bringt ihn zum Laufen! Mein Mann ist ein Held! Hatte ich das schonmal gesagt?
17:00, Eine riesige Schar Delphine umschwimmt und umspielt uns. Darum (unter anderem) tun wir uns das alles an…
Schluss mit Cocktailsegeln!
Jetzt werden ernsthafte Diskussionen geführt! Wie segelt man den Passatwind, der von hinten kommt, am besten? Mit einem wie ein Schmetterling geführten passatsegel! Haben wir nicht, war zu teuer. Wir haben nur ein Stag (das ist jetzt eine Diskussion für Segler, sorry), das hat zwar zwei Nuten, aber zwei Segel darin zu führen, erscheint uns zu aufwendig.
Also Fock nach luv ausbaumen, Groß nach lee. Tagsüber kein Problem, kriegen wir aber nachts zu viel Wind, ist das blöd, dann müssen wir den Motor anschmeißen und in den Wind fahren, um das Groß zu reffen. Nicht so verlockend.
Der Parasailor! Für diesen Wind gekauft! Super – tagsüber. Nachts – siehe oben…
Nachbar Ben erzählt von einem – älteren – Teilnehmerpaar einer der letzten ARCs.
Alle Boote waren heil am Ziel in Saint Lucia angekommen, eine Yacht fehlte. fehlte einen Tag, Zwei, fünf Tage. Und kam nach 10 Tagen in aller Seelenruhe angedümpelt. Die beiden Segler hatten nachts einfach alle Segel runtergeholt und sich zusammen schlafen gelegt! So machen wir das auch!
Reisevorbereitungen
Morgen wollen wir denn doch weiter. Peter hat noch den Wassermacher, der beim Geschaukel auf dem Ozean mehr Luft als Wasser zog, versetzt, die Logge freigekratzt, damit wir wieder Geschwindkeit messen können! 7 knoten, ha! Oder auch nicht…
Dann gehen wir einkaufen. Ich hab sie immer etwas albern gefunden, die Diskussionen um die ausreichende Proviantierung. Eier mit Vaseline einreiben, damit sie länger halten. Dann gibts eben mal zwei Wochen keine Eier, wo ist das Problem? Wir verhungern schon nicht.
Angesichts der nurmehr 10 oder 12 Dosen Tomaten, die sich bei uns stapeln, ist sich Peter da nicht mehr so sicher. Also auf zum Spar.
Gemüse, Tomatendosen, eine Flasche Sekt für die Ankunft, Marzipankartoffeln! Adventskalender! Dominosteine! Es wird Advent. Auch wenn wir uns wie aus der Zeit gefallen fühlen. Abwaschen tun wir unser Gekauftes nicht, auch wenn das alle Yachtforen wegen der Kakerlakeneier, die man mit den Dosen droht,einzuschleppen, empfehlen.
Jetzt kann es eigentlich losgehen! Wir sind entspannt.
Etappenziel erreicht
Naja, Fast. Ich rede nicht vom geografischen Endpunkt.
Am tag nach der Canaria-Rundfahrt – gammeln wir! Peter kommt vorbei. Peter lebt seit 15 Jahren auf Gran Canaria, gelernter Bootsbauer, hier – wider Erwarten – hängengeblieben. Wei die Canaren sind, wie sie sind – entspannt. Die Menschen.
Peter erzählt aber auch, wie die Europäisierung, der Druck der EU, das leben auf den Inseln verändert. Canarische Bananen, die kleinen, leckeren, zu exportieren – nicht möglich, EU-Normen. Also werden sie kaum noch angebaut.
Wo früher Zeit für einen Plausch war, ist jetzt Effektivität gefragt. Und die lässt keinen Platz mehr für einen Müßiggang…Sind wir nicht gerade deshalb immer in den Süden gefahren, um dieses entspannte, nicht profit-orientierte Leben zu genießen? Und nun – schaffen wir es ab. Die Welt ist verrückt.
Peter erzählt auch von Kunden, die meinen, Lebenzeit zu verlieren, wenn sie mal länger in der Marina warten müssen. Lebenszeit?`fragt er empört. Die können das alles – er weist auf Berge und Meer – hier gar nicht mehr wahrnehmen! Und haben nur ihr nächstes Ziel im Auge! Die rasen nur von Hafen zu Hafen!
Wir nicken ertappt. Auch wir sind davor nicht gefeit. Und lernen doch so langsam, den Moment zu genießen. Wir kommen nicht weiter? Der Wind ist nicht perfekt? Egal. Wir sind hier, sitzen abends noch in Shorts unter Palmen, lernen immer wieder faszinierende Leute kennen – was für ein Luxus! Wie schade, das nicht mehr zu sehen und zu schätzen.
Genieße den Augenblick! Wenn das ein Ziel der Reise ist – dann sind wir ihm ein Stückchen näher gekommen.
Gran Canaria
im Landesinneren
Weihnachtssterne…
…mal anders
