20.11.16 Gran Canaria, Puerto Mogan
13:05 – wir legen ab Richtung Kapverden, Entfernung: ca. 740 Seemeilen. 5 Minuten zu spät, denn die Tankstelle hat von 13 bis 15 Uhr Siesta. Das ist blöd, wir brauchen Sprit. Zumal wir den Wind wieder mal dagegen und schwach haben. Wir motoren also.
21.11.16
Keine besonderen Vorkommnisse, der Tag geht rum.
22.11.16
Und schon wieder ist eine Nacht rum. Wir genießen die Nachtwachen so, dass wir sie kaum abgeben mögen. Liegen im Cockpit, schauen in die Sterne, hören Musik, dösen, haben einen kleinen leisen Wecker auf 20 Minuten gestellt, damit wir nicht einschlafen, lassen dann pflichtbewusst den Blick rundum und über den AIS-Plotter schweifen – alle Boote in genügender Entfernung, Frachter weichen aus (uns, einem kleinen Segelbötchen!) – alles gut.
Am Morgen hat Peter die Nase vom motoren voll. Das führt zu Diskussionen. Ich habe nachts fast 7 Knoten gefahren und damit schon fast 1/3 des Weges geschafft! Und keinerlei Lust, den Schnitt wieder kaputtzudümpeln – ohne Motor machen wir mal gerade 4 Knoten. Lieber stecke ich mein Taschengeld in den Dieseltank!
Der Kompromiss – wir setzen den Parasailor, ein besonders geschnittenes Leichtwindsegel mit einer Klappe, damit die Böen ausgeglichen werden können. Das dauert zwar zwei volle Stunden und ist ein ewiges Geraffel mit allen Leinen, aber als er dann steht, laufen wir über 6 Knoten – und das ohne das Geschaukel, das uns bisher begleitet hat. Ge…nial!!!
Vor Begeisterung überlegen wir zu lange, ob wir ihn nicht doch nachts stehen lassen sollten – und entscheiden erst in der Abenddämmerung, ihn einzuholen. Im Dunkeln auf dem Deck bei dem nun wieder starken Geschaukel zu arbeiten, ohne über Bord zu gehen (machen wir nicht, keine Angst!) oder (Gott bewahre!)den Parasailor zu verlieren – Stress pur. Und Peter hat auch noch Kopfschmerzen!
23.11.16
Ich hätte es nicht schreiben sollen, dass die Nachtwachen so schön sind. Die nächste ist es nicht! Es wird kalt, es regnet. Und dann…
Ein kurzes Katastrophenprotokoll:
5:45, meine Wachschicht, ein Segler fährt lange neben uns – wie nett, denke ich, der will auch auf die Kapverden. Bis er uns auf einmal kreuzt. Verdammt. Ich rufe, nein schreie nach dem Käpt’n, der gerannt kommt, Gas gibt und die Lage sofort im Griff hat. Nochmal gut gegangen!
6:05, der Motor verabschiedet sich. Ein letzter Seufzer, dann – nichts. Peter kann auf die Schnelle keine Ursache finden, wahrscheinlich Luft in Filter und/oder Leitung.
6:30 wir segeln dann eben –mit Großsegel backbord und ausgebaumter Fock steuerbord. Bilderbuchmäßig – Passatbesegelung vor dem Wind. Um die 5, 7 Knoten, nicht schlecht. Nur die Wellen schlagen…
8:25, der Spi-Baum bricht. Wir bergen Restbaum und Groß und fahren nurmehr mit Fock. Die schlägt und schlägt und schlägt, wir machen kaum Fahrt. 4,2; 4,3,…Und haben noch nichtmal die Hälfte der Strecke zu den Kapverden geschafft, geschweige denn, in die Karibik!
9:30, Verspätetes Frühstück. Die Wellen kommen massiv aus allen Richtungen. Eine ist richtig hoch und schlägt Kaffeereste und –becher durch das gesamte Cockpit.
9:45, Wir gucken uns an und fragen uns, warum wir uns das alles antun.
12:10, Die Sonne lässt sich kurzzeitig blicken, schon wird es warm und die Welt sieht weniger bedrohlich aus.
14:00, Der Käpt’n kümmert sich nochmal um den Motor. Und bringt ihn zum Laufen! Mein Mann ist ein Held! Hatte ich das schonmal gesagt?
17:00, Eine riesige Schar Delphine umschwimmt und umspielt uns. Darum (unter anderem) tun wir uns das alles an…
