Almeria – 1-

3.9.2017

war einmal eine bedeutende maurische Hafenstadt – bis die Christen kamen. Maurische Relikte gibt es trotzdem noch, vor allem die Akazabar, die alte maurische Festung, ist noch zu besichtigen, wenn auch teilweise wieder aufgebaut, da schwere Erdbeben viel zerstört haben.

Beeindruckend. Eine Miniversion von Granada. Auch die Stadt gefällt uns ganz gut, aber wir müssten sich mehr Zeit dort verbringen, um wirklich ein Gefühl dafür zu bekommen.

Regen über…

29.-2.9.2017

Almerimar. Die Gegend ist die wasserärmste Spaniens, von daher ist es Bewohnern und pflanzen zu gönnen, wir aber hängen im Boot fest. Ich finde das nicht so schlimm, endlich lesen! Beim Käpt’n aber sorgt das irgendwann für ziemlich schlechte Laune. Denn der will das Cockpit streichen, ausfugen, schleifen, polieren, polieren und nochmal polieren, die Boxen der Doradenlüfter streichen, das Bad auch, und die Segel müssen auch noch runter!

Geht alles bei Regen nicht.

Irgendwie überstehen wir die dunklen Tage, die Luft draußen ist toll, ein bisschen zum Wurschteln gibt es innen denn doch – und dann scheint auch schon wieder die Sonne!

Plastik

August, September, Spanien 2017

Nicht nur das Plastikmeer ist ein Kennzeichen von Almerimar, der Plastikverbrauch ist ein höchst unerfreuliches Merkmal ganz Spaniens.

An keinem Ort der Reise haben wir so viel davon gesehen, so viel Dreck im Meer gefunden. Mit dem Umweltschutz haben sie’s hier nicht so.

Im Supermarkt wird alles in Plastiktüten verpackt. Ich nehme nur eine für verschiedene Früchte und Gemüse und beppe die Kleber darauf. Eine Spanierin macht mich freundlich darauf aufmerksam, dass ich bitte je eine Tüte zu nehmen hätte. Ich erwidere ebenso freundlich, dass ich Plastik nicht will. Aber die Kassiererin! Die lässt mich gewähren. Bietet mir aber natürlich eine Plastiktüte für die Einkäufe an. Nein, danke. In Frankreich, Portugal kosten diese Tüten Geld, um die Käuferschaft zu bewegen, auf Plastik zu verzichten. Das ist hier irgendwie noch nicht angekommen…

Überhaupt, der Umweltschutz…Autos stehen minutenlang mit laufendem Motor, Müll wird auf der Straße entsorgt…könnte hier mal bitte jemand die GRÜNEN gründen?

Wir tragen leider auch ziemlich zur Vermüllung bei. Das sehr dreckige und ölige Hafenwasser wollen wir unserem Wassermacher, unsere privaten Entsalzungsanlage also, nicht zumuten. Das von der Marina gestellte empfiehlt sich nicht zum Trinken. Das heißt, wir kaufen unser Trinkwasser – in Plastikflaschen…

Das Cabo de Gata….

28.8.2017

….reizt mich schon lange. Eigentlich, als wir noch nach Cartagena weitersegeln wollten, wollten wir dort ankern. Nun haben wir das Auto noch einen Tag und können die Gegend wenigstens auf dem Landweg erkunden.

Denn hier soll es wildromantisch sein, Piraten haben hier Zuflucht gesucht, ein Naturschutzgebiet verhindert Bausünden. Schnorcheln kann man da, habe ich gelesen, schwimmen in kleinen bezaubernden Buchten, wandern – ein kleines Paradies.

Wenn man nicht im Hochsommer und an einem Samstag kommt.

Zwar gibt es in der Tat keine Hochhäuser, aber die Piratenhöhlen sind von Bungalowkomplexen umbaut. Eine Straße des Hauptortes „San Jose“ ist nach Jimi Hendrix benannt worden, allein, die Hippies sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Sie sind sesshaft geworden, verkaufen Schmuck und leben wie jeder andere Tourist auch.

Wir finden kein Stückchen Strand, das uns zum Baden verlockt hätte.

Wenigstens eine Tapas-Bar! Eine cana, ein frisch gezapftes Bier, mit seinem leckeren Deckelchen, eben dem „Tapa“, als Entschädigung.

Nix. Von der Terrasse der ersten Kneipe – mit wenigstens Blick aufs Meer- werden wir regelrecht verjagt. Tapas gibt es nur bis 5 und danach richtige Portionen ab 8! Und in allen anderen Bars werden wir auch nicht fündig. Die Küche öffnet frühestens um halb 9.
Frust auf der ganzen Linie.

Was haben wir es gut in unserem Retorten-Almerimar! Tapas vom Feinsten ab 12 bis tief in die Nacht! Und dahin fahren wir nun schleunigst zurück…

…im Canyon

27.8.2017

Die Bewohner des dazugehörigen Dorfes sind nicht so begeistert, auf Bade-Touristen zu treffen und grummeln etwas von „verdammtem Internet“, das ihren Ort zur Attraktion macht. Es ist ein Ökodorf, Freaks leben dort, und man ist gerne eingeladen, sich an der Gemeinschaft zu beteiligen. Nur mal eben in den Bach zu steigen, ist weniger erwünscht und sie befürchten eine regelrechte Invasion, wenn ihre Idylle preisgegeben wird. Wir verraten den Namen deshalb auch nicht. Nur eines: Es ist wirklich wunderschön!

Die Höhlen von Sorbas…

27.8.2017

…entdecken wir eher zufällig und stoppen nur, um eine Pause nach den langen Autofahren zu machen.

Was für ein Glück. So entdecken wir in der Karstlandschaft Gipshöhlen, die touristisch erschlossen sind. Wir können noch an einer Wanderung teilnehmen – der letzten des Tages, wir sind die einzigen!- und krabbeln, klettern, mit Helm und Taschenlampe bewaffnet, in den unterirdischen Gängen herum, geführt von Daq’, einem jungen Engländer, der schon lange in Spanien lebt und uns durch Galerien, entlang an Stalagmiten und Stalaktiten leitet und uns begeistert von den geologischen Besonderheiten erzählt. Ein bisschen gruselig ist es schon da unten, kein Tageslicht fällt herein, das Gestein ist porös und ganze Klippen sind schon bei kleinen Erdbewegungen abgestürzt.

Wir kommen heile wieder an die Luft, glücklich, noch berauscht von der Unterwelt. Jetzt wollen wir ins Wasser. Daq verrät uns, wo…

Ab in die Wüste

26.8.2017

Drei Tage haben wir ein Auto gemietet. Und machen uns nun nach dem Besuch in den Gewächshäusern auf – in die Wüste. Jawohl. Etwa 80 Kilometer von Almerimar entfernt liegt die einzige Wüste Europas, die Desierto de Tabernas.

Eine Wildwestkulisse. Hinter jeder Kurve meinen wir, Indianern zu begegnen. Die Frage ist nun, was zuerst war – unser Bild der Wüste oder die echte von Tabernas? Denn sie ist Hintergrund zahlreicher internationaler Western. Von daher haben diese Filme vermutlich unsere Vorstellung von „Wüste“ entscheidend geprägt.

Zwei touristische Attraktionen mit Westernkulissen und viel Show gibt es, die besichtigt werden können. Das ist uns zu teuer.

Die Natur ist umsonst und atemberaubend genug.

Das Plastikmeer von Almeria – 4 –

Ein Ökobetrieb, betont Lola, sind sie nicht. Sie düngt mit Chemikalien, die zwar auch in der Natur vorkommen, aber kein Bio-Siegel passieren.

Deren Rückstandswerte, recherchiere ich später im Internet, sind dennoch deutlich geringer als vorgeschrieben. Nach Skandalen von verseuchtem spanischem Gewächshaus-Gemüse sind die Bauern sehr umsichtig geworden. Große Handelsketten verlangen deutlich geringere Belastungen als gesetzlich vorgeschrieben, keiner kann es sich mehr leisten, dagegen zu verstoßen.

Ein Paradies nach Ökomaßstäben ist dies hier dennoch sicher nicht.
Die Samen kommen, gibt Lola nach wiederholter Nachfrage zu, aus China. Sie selbst lehnt Gentechnik ab. Aber Monsanto, größter Betreiber von genverändertem Saatgut, hat eine große Niederlassung in Almeria…

Kritiker bemängeln außerdem, dass Saisonhelfer aus Marokko und Schwarzafrika, ohne die dieser arbeitsintensive Anbau gar nicht möglich wäre, miserabel bezahlt und ausgebeutet werden. Wir, das ist uns klar, besuchen einen Vorzeigebetrieb und sehen niemanden, aber es erscheint durchaus plausibel. „Billig“ hat eben seinen Preis…

Das Plastikmeer von Almeria – 3 –

Pestizide? Insekten! Die natürlichen Feinde von Blattlaus und Co. Bienen, Hummeln und andere Krabbeltiere, die in Holland gekauft, in Pappkartons verschickt werden und sich über die Schädlinge hermachen. Oder Fermone, mit denen Schädlinge angelockt und vernichtet werden. Auch das erfordert eine genaue Beobachtung der Pflanzen, Wissen, Hingabe. Wir sind angetan.

Aber der Wasserverbrauch! Wasser ist eines größten Probleme der Region, hier regnet es kaum und wenn, so stark, dass der Boden das Wasser gar nicht aufnehmen kann. Früher wurde gnadenlos das Grundwasser abgegraben, heute ist man, erklärt Lola, bewusster. Das Wasser wird aufgefangen, gereinigt und wieder verwendet. Ideal, sagt sie, wäre natürlich eine Entsalzungsanlage, aber da der Staat keinerlei größere Initiative zeige, erneuerbare Energien voranzutreiben, sei das noch Zukunftsmusik.