11.12.16, 9. Tag auf dem Atlantik
15 Grad 07’464 N, 44 Grad 46’773 W, KÜG 270 Grad
Gestern war Bergfest! Über 1000 Meilen sind wir jetzt nonstop auf dem Wasser, ungefähr so viele brauchen wir noch bis Grenada.
Diesmal werde ich der Passage keine Träne hinterherweinen, sondern heilfroh sein, wenn wir angekommen sind.
Das Geschaukel ist noch immer ziemlich nervtötend. Selbst Peter, ausgeglichenster Mann unter der Sonne, wird sauer, weil ihm sämtliche Schrauben entgegen rutschen. (In dem Moment, wo ich das schreibe, haut uns eine Welle nach backbord und als Konsequenz schießt uns aus steuerbord die Schublade aus dem Kartentisch entgegen samt Inhalt: Schäkel, Kulis, Messgeräte etc…Die Schublade ist normalerweise kaum aufzubekommen…!)
Um uns herum – nur Wasser. Keine Boote in der Nähe, weder am Horizont, noch sichtbar auf dem AIS, noch hörbar über Funkkontakt auf Kanal 16. Wir sind wie aus der Welt gefallen. Sehr merkwürdig.
Schön ist es immer abends. Beim sundowner (unsere selbstverordnete Prohibition haben wir wieder eingestellt, Pfefferminztee und Sonnenuntergang geht einfach gar nicht) segeln wir durch die beeindruckendsten Wolkenformationen. Tiere, Menschen, Gnome, wie in einem Museum gleiten wir an seltsamen Gebilden vorbei. Die Wolken erfinden sich zu immer wieder neuen Skulpturen, verlieren sich, rotten sich zusammen, werden zu Regen und Wind.
Starkwind. 23 Knoten scheinbaren Wind und 7 Knoten Geschwindigkeit hatten wir des öfteren – Segler wissen, was das heißt. Da der Wind von hinten kommt, aber überhaupt nicht schlimm. Wir surfen auf 3-4 Meter hohen Wellen. Beeindruckend und schon toll. Irgendwie. (Für Peter gilt das „Irgendwie“ nicht, er findet es richtig toll.) Wenn nur das Geschaukel nicht wäre…
Die Tage vergehen wie im Flug. Wir zelebrieren das Frühstück mit frisch (von Peter) gebackenen Brötchen, Obstsalat aus Papaya, Bananen, Orangen, noch auf den Kapverden erstanden, frisch gemahlenem Kaffee.
Dann: Reparaturen: Generator (Kondensatoren im Eimer, elektrische Dieselpumpe hat den Geist aufgegeben, geht nach Säuberung von Peter aber wieder), Lichtmaschine (jaja, genau die, die seit der Abreise aus der Türkei Ärger macht)…und es hört nicht auf…
14:00. Wichtigstes date: Etmal in die Seekarte eintragen, koppeln. Etmal ist die Distanz, die man in 24 Stunden zurückgelegt hat. Wir fiebern immer: über 120??? Sogar über 130! Und verfolgen auf der Karte, wie wir uns immer weiter von de Kapverden entfernen und Südamerika nähern. Wir sind auf einer Höhe mit Guyana! Und könnten theoretisch immer noch nach Brasilien abbiegen…
Danach: Mittagessen. Selbstgebackenes Brot (Peter), die letzten in der Markthalle von Mindelo gekauften Tomaten. In Mindelo waren sie noch grün, wir können sehen, wie sie jeden Tag nachreifen. Jeden Tag gibt es eine. Hier wird rationiert!
Danach: Irdium, unsere einzige Verbindung zur Außenwelt, aktivieren. Wetterwelt-daten holen, Blogbeitrag posten…
Lesen, dösen, schlafen…
17:00: Teatime. Mit Spekulatius! Und ein Türchen vom Adventskalender öffnen. Bei über 30 Grad…
Bei Sonnenuntergang: Sundowner. Wellen, See, Himmel genießen.
Lesen, dösen, schlafen…
Irgendwann: Kochen.
Nach dem Essen sind wir totmüde und ich sofort bettreif.
Am nächsten Tag beginnt das Ganze von vorn…Und ewig grüßt das Murmeltier!
Noch 8mal, schätzen wir. Dann können wir hoffentlich rufen: Land in Sicht!!!
—- This e-mail was delivered via satellite phone using IRIDIUM’s AxcessPoint Mail & Web software. Please be kind and keep your replies short.

Position auf google maps https://www.google.de/maps/place/15°07'46.4„N+44°46’57.4″W/@16.448836,-42.7809468,4z
Denken oft an Euch – Ihr schafft das! Genießt die Zeit auf See. Und haltet nach dem Sternbild Kreuz des Südens Ausschau. Es ist einfach wunderbar. Wer über den Atlantik segelt, kann alles!!! Fair winds – Marlene und Bert
Wir wünschen euch viel Glück für die 2. Hälfte der Überfahrt. Colette und Tine (täglich gucken wir gespannt, was es bei euch neues gibt)
Hey, fantastic you are really doing it 🙂 Respect!
We are wintering in Athens and still thinking of doing the Atlantic, but most likely in late 2018.