Nikolaus

(über Iridium) 15 Grad, 49,9 N 036 Grad, 35,6 W, KüG 272 Grad
Der Schokoladenmann, den wir noch auf Lanzarote bei einem Lidl erstanden haben, verschwindet schnell im Kühlen – es ist heiß, der Käpt’n sitzt in Badehose vor dem improvisierten Nikolausteller (Foto folgt, sobald Internet vorhanden). Ich gestehe, dass ich mich manchmal nach der Lichtentaler Allee voll nasser Blätter oder der Baden-Badener Fußgängerzone selbst im Schneepatsch sehne….
Wir stecken in einer Flaute. Der Parasailor steht noch, aber sein Flügel schlägt und schlägt, was nicht nur am Material, sondern auch gehörig an unseren Nerven zerrt.
Inständig schauen wir auf die Windanzeige und Geschwindigkeitsmesser, als könnten wir sie beschwören.
– 3,4 Knoten.
– Och nö, ein bißchen mehr geht doch noch. Streng dich mal an!
– 8 Knoten Wind. Los, da holst du mehr raus!
– Über 5 Knoten Speed, Yeah!
Wir feuern das Segel an wie bei einem Fußballturnier.
– Einer geht noch!
– 5,4,!!! 5,6!! Super!!!!!
Von hängenden Mundwinkeln zu einem Strahlen bedarf es nur 2,2 Knoten, das sind etwa 4 Kilometer/Stunde…
Nach ein paar Stunden vergeht uns das Strahlen. Von 5 Knoten klettert die Geschwindigkeitsanzeige auf über 6 – wir sind noch glücklicher. Auf über 7 – hey, die Hugin kann 7! Auf 8,5…8,5,? Das ist mehr als die Rumpfgeschwindigkeit, als wenn ein Auto statt der Höchstgrenze von, naja, 120, 160 fahren würde. Ob das gut geht?
Derweil ist es dunkel geworden. Wir sind einerseits froh über die Schnelligkeit – auf der anderen Seite besorgt, ob das Segel – ein Leichtwindsegel – das aushält. Und alles, was daran hängt. Riskieren wir’s? Schlaf finden wir also wenig, So wie wir gebannt vor der Windanzeige um mehr Wind gebangt haben, hypnotisieren wir sie nun fast, um nicht zu viel davon zu kriegen. Denn zum einen wollen wir das Segel nicht bergen, weil wir so gut fahren – zum anderen ist das Bergen nachts, wie bereits beschrieben, so eine Sache. Der Parasailor ist ein supertolles Teil (wer mag – mal im Internet gucken – und nein, ich bekomme kein Geld dafür, dass ich das schreibe, leider nicht), aber nicht ganz einfach in der Handhabung.
Wir entscheiden uns, das Risiko einzugehen und bis zum Morgengrauen auszuharren.
Da scheint der Wind sich wieder etwas beruhigt zu haben – und uns damit auch, da klettert die Anzeige auf über 16 Knoten. Das ist für ein Leichtwindsegel viel! Es knirscht auch gehörig am Beschlag – also doch – runter mit dem Segel. Und zwar schleunigst, der Wind nimmt weiter zu, die Wellen auch.
Wir haben uns keine Sekunde zu früh entschieden. Peter bekommt kaum den Bergeschlauch über den Flügel. Aber nach einer halben Stunde ist es geschafft – er ruht wieder in seiner Tasche, unser Parasailor. Er hat wirklich Tolles geleistet.
Wir setzen wieder die Fock. Und machen deutlich weniger Geschwindigkeit. Aber – lieber langsam ans Ziel kommen. Und dafür sicher.
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