Eigentlich…

…wollten wir das Wort „eigentlich“ sowieso nicht mehr verwenden, denn von Plänen gilt es auf dem Boot, Abstand zu nehmen.

Eigentlich aber denn doch wollten wir Sonntag in eine Marina im Süden Gran Canarias umlegen, knappe 30 Meilen, ein Stück näher an den Kapverden, und noch einmal richtig duschen, Haare, Wäsche waschen.

Für die Kapverden aber brauchen wir einen Ausreisestempel der letzten Destination.

Das Büro der Marina hier zuckt bedauernd die Schultern, da müssen wir zur Hafenpolizei, im großen Hafen, da, wo die Kreuzfahrer ankommen.

Das ist weit. Was also tun? Laufen? Wir sind genug gelaufen. Bus? Fährt Sonntags vermutlich nur selten. Taxi? Teuer. Fahrrad! Meine ich! Und bin fest davon überzeugt, am gestrigen Tag an einer Leihfahrradstation vorbeigekommen zu sein.

Mein Orientierungssinn… Eine Stunde irren wir durch die Stadt, suchen, fragen und finden sie endlich – die gelben Fahrräder, die man sich ausleihen kann. Prima Sache.

Allerdings nur, wenn man sich einen Tag vorher im Internet angemeldet und eine Karte bezogen hat. Haben wir nicht. Wussten wir nicht.

Also doch den Bus nehmen, der gar nicht so selten fährt. Nach langer Suche und Fragerei finden wir sie endlich – die Hafenpolizei. Die guckt uns erstaunt an. Einen Ausreisestempel? Wir sind doch Europäer! Dachten wir auch, aber die Kapverden wollen das eben so und wir keine Scherereien. Der Beamte zückt die Achseln und ein Formular, das wir ausfüllen müssen. Erledigt.

Ich bitte um einen Stempel im Pass. Gibt es nicht! Wir sind EU! Also gut.

Wir trollen uns und suchen den Bus zurück. Der wechselt nur 10 Euro-Scheine, wir haben nur einen 20er. Den schnappe ich mir und renne von Laden zu Laden, um zu wechseln. Das dauert, weil keiner wechseln kann oder will. Eine Tankstelle erbarmt sich, aber bis dahin ist der Bus weg. Also wieder – warten. Uns läuft die Zeit davon, wir wollen noch im Shipchandler ein Ventil für den Wassermacher kaufen, das wir dringend brauchen, damit der Wasser statt – wie im Moment – Luft zieht und uns wieder mit Wasser versorgt!

Der Shipchandler lässt gerade die Läden herunter. Das war wohl nichts. Und mittlerweile ist es auch zu spät, um uns in den Süden aufzumachen.

Also bummeln wir in die Altstadt, die sehr schön ist. Alte Kolonialbauten. Aber eigentlich…

Morgen. Morgen ziehen wir weiter. Eigentlich…

 

 

 

 

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