Wir kommen spät los von Puerto Rubicon. Peter und Armin frickeln noch etwas an Plotter und Laptop, die Marina läutet schon an und fragt, ob wir immer noch da sind? Da legen wir endlich ab.
Die ersten zwei Stunden sind Segeln zum Angewöhnen. Die Düse zwischen den Inseln. Kleine, kabbelige Wellen aus allen Richtungen, wie sie das Mittelmeer nicht schlimmer produzieren kann, die uns von einer auf die andere Seite werfen. Und das soll das Atlantikfeeling sein, die langen Wellen, die das Boot tragen, das Surfen, von dem Segler mit leuchtenden Augen erzählen? Ich will wieder Golf spielen gehen. Selbst Peter, mein Fels (sic!) in der Brandung, findet es furchtbar. Wir stellen uns auf Durchhalten ein – so um die 20 Stunden. Keine schöne Vorstellung.
Dann aber haben die Wellen ihren Rhythmus gefunden. Noch immer kommen sie zwar von der anderen Seite als der Wind, aber beide beharken sich nicht mehr. Es wird richtig schön.
Eine Zeitlang. Dann besinnt sich eine alte Dünung wieder, mitzubestimmen. Und funkt den schönen, harmonischen NE-Wellen dazwischen. Wir werden hoch und runter getragen – dann brutal von rechts nach links geworfen, nochmal, etwas stärker, dann nochmal so stark, dass jede Relingseite Wasserberührung hat. Es ist nicht schön! Der Wind ist auch nicht zu verachten, 28 Knoten haben wir zwischendurch, das ist Windstärke 7….da gibt es, wenn der Wind von vorn kommt, Sturmwarnung. Von hinten ist das durchaus erträglich, wären nur die alten Wellen nicht…
An Essen ist dabei nicht zu denken. Ich hatte eine wunderbare Tomatensoße vorgekocht, aber bei dem Seegang Spaghetti ins kochende Wasser zu werfen…nee, lieber nicht. Wir haben Pasta, Reis etc. für fünf Wochen an Bord. Wahrscheinlich ernähren wir uns nur noch von Mars…
Falls wir überhaupt noch in die Karibik gehen…Wir beide stellen uns unabhängig voneinander die leise Frage: Wollen wir uns das wirklich antun? Wochenlang???
Wie halten wir das durch? Selbst Schlafen ist schwierig. Im Bett rollt man mit den Wellen von einer Seite auf die andere, Sergios Tipp, sich quer zu legen, funktioniert bei mir nicht, weil ich mich wie auf einer Streckbank fühle. Und dann die Geräusche! Der Wind jault in den Wanten, die Wellen schlagen an den Rumpf, der Autopilot unter dem Bett eiert, das Bötchen ächzt und stöhnt wie ein altes Haus. Schafft unsere Hugin das überhaupt??? (Na klar, dafür ist sie gebaut, und sie ist eine der besten!!!).
Irgendwann wird es dann doch morgen, um 9 Uhr erreichen wir Gran Canaria und ankern. Wundersamer Weise hat jeder von uns eine Mütze Schlaf gefunden. Die See rollt immer noch, aber nicht mehr so arg. Das Schlimmste ist schnell vergessen. Und irgendwie war es auch sehr betörend, nachts im Mondlicht die Wellen unter dem Rumpf brechen zu sehen und auf ihnen zu treiben.
Wir werden uns daran gewöhnen. Andere haben es auch geschafft. Und – irgendwann kommt sie bestimmt, die sanfte Passatdünung!

Hallo Ihr Mutigen, mir wird es schon übel beim lesen….Hut ab vor soviel Mut…ich bleib lieber daheim…Grüße aus meinem goldenen Garten Laubbedeckt und dazu zwei tolle Hühner die leise gaggern…Cioa ihr Mutigen