… ist very british. Die Architektur, die Sprache natürlich, die Umgangsformen – very polite -, das Wetter!
Und gleichzeitig ist es international. In das Britisch auf den Straßen mischt sich Spanisch, Marokkaner gibt es viele, Inder, orthodoxe Juden. Ein wahrer Schmelztiegel! Sehr spannend.
Wir liegen in der Queensway Marina, inmitten von wohlgestalteten Wohnblocks. Wo bei uns ein großer Spielplatz wäre, ist hier – Wasser! Und liegen Segel- und Motorboote. Freundliche Mitarbeiter, die Duschen sind ohne jeglichen Charme, aber sehr sauber, wir sind nur einen Katzensprung von der Innenstadt entfernt, haben Ausblick auf den „Rock“ – was wollen wir mehr. Günstig ist es erstaunlicherweise auch. Der Pfundkurs…und wir zahlen keine Mehrwertsteuer.
Das Internationale schlägt sich erfreulicherweise auch kulinarisch nieder: Hervorragende Curry-Restaurants gibt es, marokkanische Imbisse, britische Pubs; die kleinen marokkanischen Supermärkte haben endlich an Obst und Gemüse, was wir schmerzlich vermisst haben.
Das ist insofern nicht schlecht, als wir hier bis mindestens Dienstag bleiben dürfen müssen – der Wind auf dem Atlantik kommt aus der falschen Richtung, und das auch noch stark…Lieber wir nicht.
So haben wir auch mal Zeit für Kulturelles!
Einmal im Jahr wird auf dem Platz der Kasematten „Die Zeremonie der Schlüssel“ dargeboten, die Übergabe des Schlüssels für die Tore, die Gibraltar von Spanien trennen. Anwesend – der Gouverneur, Marine, Soldaten, das Corps, jede Menge Polizei mit Hunden. Wir haben eine Platz in einer der abgesperrten Bühne nahegelegenen Kneipe ergattert und staunen. Die Zeremonie folgt einem festen Ritual, das auch für die Zuschauer vorgegeben ist: Sie bekommen ein Programmheft, in dem steht, was sie wann zu tun und zu lassen haben. Natürlich wird die Hymne gespielt, dann alle stehen auf, selbst die Jüngeren, stramm, Hände an der Hosennaht.
Auf der anderen Seite albern Marineoffiziere während der Darbietung mit ihren Kindern auf dem Schoß, haben die Familie an ihrer Seite, das nimmt dem Ganzen den Bierernst. Frauen sind im Marinecorps! Ein Käppi auf wie weiland Miss Marple – was Gleichberechtigung angeht, sind die Briten uns ganz schön voraus. Die Damen werden von ihren Gatten begleitet, die Kinderwagen und Kinder hüten. Auch nett.
Neben uns sitzt Dorothy, einen elektrischen Rollator an ihrer Seite, sie zittert stark, vielleicht Parkinson, taub ist sie auch noch. Aber nimmt lebhaft Anteil am Geschehen und hat fast keine Darstellung ausgelassen. Sie kommt aus Gibraltar, wurde mit acht Jahren nach England geschickt, um sie vor dem Krieg in Sicherheit zu bringen – Hitler wollte Gibraltar einnehmen – Operation Felix. Dorothy kam vom Regen in die Traufe: Die Deutschen griffen England an, nun ja, die Briten dafür dann die Deutschen. Unsere Mütter und Großmütter hätten sicher ähnliches erlebt. Jetzt gäbe es wieder Krieg, ob die Menschen denn nie dazu lernen würden? Wir können ihr nur beipflichten. Wir tauschen Emailadressen aus, sie ist historisch sehr bewandert und verspricht, uns alles mögliche zu schicken. Und ich finde es schön, dass solche Begegnungen über den Teich offen und ohne Vorbehalte möglich sind.

