Unter dem Vulkan

Wir legen ab von Catania, beladen mit Fisch und frischem Gemüse. Froh, aber auch hier mit etwas Wehmut. Sobald wir ein paar Tage irgendwo sind, sobald uns die Bäckerin kennt und grüßt, beginnen wir, Wurzeln zu schlagen. Die zu kappen, tut dann immer ein bisschen weh. Auch der Abschied von Guillermo, dem Stegmeister. Ein Italiener, der so gar nicht dem Stereotyp entspricht. Schmal, schüchtern, älter, blondes, schütteres Haar. Um die 20 Boote betreut er mit seinem Gehilfen, ist fast Tag und Nacht bereit, sehr hilfsbereit und freundlich. Die „Marina“ besteht nur aus eben diesem einen Steg inmitten des riesigen Hafens, abgeschlossen von einem Gartentor, und einem winzigen Container mit Sanitäranlagen.. Die Dusche hatte ich gar nicht gewagt, zu benutzen. Nun werfe ich doch einen Blick hinein – es ist die sauberste, die ich bis jetzt auf der ganzen Reise gesehen habe.

Wir aber – können endlich los und motoren. Kein Wind. Der Motor läuft ohne jegliche Mucken, leise und regelmäßig. Und wir hatten ihn schon fast aufgegeben und uns mit dem Gedanken befasst, einen neuen einbauen zu lassen! Wie oft haben wir mit Bosch Deutschland telefoniert und nach Ersatzteilen und um Hilfe gefragt, wie oft im Internet recherchiert – erst Tommaso und eine kleine Bosch-Werkstatt in Siderno wussten vom Bosch-Dienst in Holland, der altes Zubehör wieder flott macht. Und als die Pumpe Macken hatte, haben wir innerhalb von zwei Tagen Ersatz vom centro intercambio bekommen! Hallo Bosch Deutschland?! Aufwachen!

Nach einer kurzen Nacht in Taormina legen wir ab, früh, und fahren in den Sonnenaufgang. 70 Meilen liegen vor uns. Unser Ziel: Vulcano, eine der liparischen Inseln.

Wind: keiner. Wir motoren mal wieder. Erst in der Strasse von Messina werden aus 5 plötzlich 20 Knoten. Die Enge zwischen Kalabrien und Sizilien komprimiert den Wind dermaßen, dass sich die Windstärken vervielfachen. Dazu kommt eine Strömung, die so stark ist, dass wir von 6 Knoten Fahrt auf unter 3 abfallen. Man sieht die Wasserstrudel, die sich bilden, wenn die Strömung vom Land umgeleitet wird. Es brodelt und kocht regelrecht.

Sonst: Keine Ereignisse. Wir bleiben lieber außerhalb der Fahrstrasse, sonst muss man sich anmelden. Einmal müssen wir einer Fähre ausweichen, mehr nicht. So haben wir Zeit, die Tanker zu beobachten, die den Schifffahrtsweg entlang schieben. Es ist beeindruckend.

Noch beeindruckender aber sind mindestens hundert Tunfische, die aus dem Wasser springen, um zu jagen. Und auf einmal wimmelt es von Fischerbooten…

Dann haben wir die legendäre Strasse passiert. Es war einfacher als gedacht – wir hatten befürchtet, permanent großen Schiffen ausweichen zu müssen -, aber nachts möchten wir dort doch nicht fahren.

Noch fast 30 Meilen bis Vulkano. Eine Schildkröte auf dem Weg. Grade noch rechtzeitig können wir ihr ausweichen, von ferne sieht sie aus wie ein Müllsack. Emsig paddeln die kleinen Ärmchen, sie kommt kaum vorwärts. Hoffentlich fällt sie nicht einem anderen Boot zum Opfer.

Kurz vor Sonnenuntergang dann endlich: am Ziel. Schwefel steigt aus dem Boden, aktiv ist der Vulkan zwar nicht mehr, aber man sieht und riecht noch Überbleibsel. Wir kommen in die – empfohlene – Bucht auf der Westseite der Insel und erstarren. Alles voller Boote, aufgereiht wie an Stegen. Sie Ankern. Den letztmöglichen Platz ergattern wir. Noch nie haben wir so eng gelegen. Darauf – einen Campari!

Und dann schwimmen wir unter dem Vulkan. Bei Vollmond. Es ist traumhaft.

 

 

 

 

 

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