Wir schlagen uns sie Küste entlang durch bis Palermo. Drei Stunden brauchen wir für 60 Kilometer, fest verkeilt in einer Blechlawine kriechen wir vorwärts. Aber dann: Palermo, Hauptstadt Siziliens. Mich überfällt pure Nostalgie, ich war vor 40 (!, oh mein Gott) Jahren schonmal hier, mit Gemeinschaftskundekurs und Kirche, damals meine erste Erfahrung mit einer völlig anderen Kultur. Und Palermo heute?
Sauberer. Verkehrsberuhigter, jedenfalls die Hauptstrassen. Ungefährlicher.
Noch immer faszinierend. Bauliche Zeugnisse von vor über 2000 Jahren! Mitten im Zentrum, wie selbstverständlich verbunden mit den folgenden Jahrhunderten bis heute.Auch Peter ist schwer beeindruckt.
Mein persönlicher Lieblingsplatz: San Giovanni degli Erimiti, eine bezaubernde Kirche, der Kreuzgang eine Oase inmitten der tosenden Stadt.
Der Normannenpalast – imposant und so gut erhalten. Zahllose andere Bauwerke, Kirchen, Paläste, die wir gar nicht alle besichtigen können.
Der Markt in einem eher ärmlichen Viertel. Gemüse, Haushaltswaren, Festtags-Kleidchen für die Kinder, Schlüpfer für die Omas.
Metzgerläden – damals hatte mich der Anblick von ausgestellten Schafsköpfen entsetzt. Die Italiener hatten uns Pansen als Delikatesse vorgesetzt (eine kleine Provokation?), den wir mit Todesverachtung, aber lächelnd gegessen hatten. Heute gibt es da nichts Schockierendes mehr, keine Schafsköpfe, Brötchen mit Innereien werden angeboten. Aber das müssen wir ja nicht essen…
Uns zieht es natürlich auch zum Hafen. Die Italiener fahren Auto, als gäbe es keine Regeln oder zumindest keine, die uns bekannt sind. Peter passt sich unglaublich gut an, sonst stünden wir vermutlich heute noch an einer Kreuzung. Erstaunlicherweise kommen wir trotzdem heile an…
Den Hafen beschreiben alle Segler als dreckig und bäh. Finden wir nicht, nicht schlimmer als Catania. Wir besorgen uns Telnr. und Adressen (haha, wir haben was gelernt!), falls wir es doch noch schaffen, dort anzulegen. Wäre schön. Palermo ist im buchstäblichen Sinne sagenhaft.
Wir müssen mal wieder los, obwohl es noch so viel zu sehen gäbe. Es wird früh dunkel und Catania ist weit. Ein andermal. Wie so oft…
Ach so. Wir kommen an einer weiteren Metzgerei vorbei. Die hat vier abgeschnittene Ochsenköpfe ausgestellt, die die Zungen heraushängen lassen. Und da bin ich dann doch noch ziemlich geschockt…

