Gibraltar, 6.8.2017
Es ist Sonntag. Und wir wollen Fahrradfahren. Denn Gibraltar hat mittlerweile Mieträder. Das, finden wir, ist ein großes Plus. Damit fahren wir über die Grenze nach La Linea, den spanischen Teil.
Leider kostet es Peter schonmal zwei Stunden Zeit und all seine Nerven, sich einzuloggen. Unübersichtlich, unlogisch, es ist zum Haareraufen.
Endlich – wir sind startklar. Und radeln. Endlich wieder! Bedauerlicherweise ist das nicht so entspannend, es gibt nämlich keine Radwege. Nach 20 Minuten entlang einer stark befahrenen Hauptstrasse, rechts und links Hochhäuser und Baustellen, sind wir ziemlich froh, die Räder wieder in den dafür vorgesehenen – unbemannten – Stationen abgeben zu können.
Dann laufen wir über die Grenze. Ein Rollfeld! Kommen oder fliegen Flugzeuge ab, wird es rechtzeitig gesperrt. Aufregend.
Vor der Grenze allerdings wird kontrolliert. Damit habe ich überhaupt nicht gerechnet. Ich habe nur meinen Führerschein dabei! Der spanische Grenzbeamte winkt mich trotzdem großzügig durch.
Hätte er es lieber nicht getan.
Sein britischer Kollege nämlich ist auf dem Rückweg nicht so lax. Ohne Pass kein Durchkommen – klare Ansage. Ich bin Europäerin! rufe ich verzweifelt. Schengen! Schengen? Er schaut mich kaltlächelnd an. Großbritannien ist nicht Schengen. Oh. Daran hatte ich nicht gedacht.
Er bleibt hart. Die einzige Lösung besteht darin, dass mein armer Mann meinen Pass vom Boot holt.
Eineinhalb Stunden später taucht Peter abgekämpft wieder an der Grenze auf.
Wir können passieren.
Nur meldet sich seine Fahrrad-App. Ein Fahrrad sei nicht richtig abgestellt worden. Bloss welches? Und wo? Ist es nicht ordnungsgemäß zurückgegeben worden, läuft die Mietzeit weiter. Und das wird nach 20 Minuten sehr, sehr teuer.
Wir schicken mails. Wir rufen an. Auf der Hotline, die angeblich an sieben Tagen 24 Stunden besetzt sein soll, meldet sich niemand. Wir sind verzweifelt. Schicken mehr mails, um nachweisen zu können, dass wir die Räder abgegeben haben! Ordnungsgemäß!
Noch ist der Ausgang offen…
Ach so: La Linea war übrigens scheußlich. Noch dreckiger als das britische Gibraltar und richtig heruntergekommen.
Und ich – gehe nie wieder ohne meinen Pass weg! Nie mehr!

