Bravo 25

Der Flug verläuft gut, nur beim Umsteigen in Istanbul beschleicht uns ein mulmiges Gefühl – hier hat der IS vor wenigen Tagen über 40 Menschen getötet und unzählige verletzt. Wir passieren eine Baustelle auf dem internationalen Terminal, abgesperrt mit Wänden voller fröhlich bunter Fotos – da war es wahrscheinlich. Ich meine, noch Brandgeruch wahrzunehmen…Uns passiert nichts, wir erreichen Dalaman pünktlich und heile, werden dort vom bestellten Transferfahrer abgeholt und nach Marmaris gebracht. Dort liegt unser Boot. Wie es wohl aussieht? Ich rechne mit dem Schlimmsten. Einer unserer drei Dieseltanks leckte und musste neu gemacht, d.h. erst mal auseinandergeschnitten werden, um ihn überhaupt aus dem Bootsinneren entfernen zu können. Dazu wiederum musste die Kleiderschrankverkleidung entfernt, der Boden ausgebaut werden…klang alles nach schlimmer Handwerkerarbeit und entsprechendem Dreck und Kollateralschäden…

Hugin liegt – wie kann es auch anders sein – am äußersten Ende der Marina. Irgendwo auf Bravo (die Stegs sind durchnummeriert von Whiskey bis Alpha, Bravo zweigt von Alpha ab… )Endlos fährt der Elektrokarren mit Gepäck und uns übers Gelände. Bravo 35,33,31,…da liegt sie vor uns. Und sie ist so schön! Der Rumpf hochglanzpoliert, an den Bäumen zwei neue lazybags! Damit wird sie endgültig hochseetauglich. (Lazy bags sind nicht, wie der Name vermuten lassen könnte, Segeltaschen, um faulen Seglern das Leben zu erleichtern, sondern eine absolut notwendige Sicherheitsmaßnahme. Denn bei hohen Wellen die Segel – wie bisher – am Mast turnend „aufzutuchen“, d.h. zu falten, ist nicht vergnügungssteuerpflichtig…)

Und dann das Bootsinnere: Alles wieder eingebaut, sauber, wie wir es nach Monaten nie vorfinden – Emre, 1000 Dank! (Emre kümmert sich in unsere Abwesenheit um unser Boot, beaufsichtigt die Handwerker, sucht Spezialisten, kurzum, er ist der Mann für alle Fälle auf dem Boot, dazu noch sehr nett und einer der Menschen, die wir vermissen werden…)

Eine halbe Stunde später, es ist halb fünf, sitzen wir an Deck. Hinter uns kündigt die Dämmerung den Sonnenaufgang an, vor uns liegt Marmaris voller Lichter. Wir trinken unseren ersten Whiskey. Und fangen an, zu begreifen…

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