Sao Jorge, Azoren, 4.7. 2017
Wir haben noch einen Mietwagen ergattert. Dank Jose, dem Marinero, so ein Glück. Denn hier beginnt morgen die „kulturelle Woche“ mit allen möglichen Veranstaltungen, Buchvorstellungen, Musik, da kommen viele Gäste auf die Insel. Und alle wollen ein Auto…
56 Kilometer lang,8 breit. Vulkankegel neben Vulkankegel, die schroff ins Meer abfallen. Die Insel ist wunderschönschön. Noch größere Hortensien, als wir sie bislang gesehen haben, ganze Hortensienhecken, die Weiden unterteilen.
Viele Weiden. Sao Jorge lebt von der Milchwirtschaft. Aber hier gibt es nur glückliche Kühe, die auf riesigen Weiden grasen. Aus ihrer Milch wird der berühmte (jedenfalls auf den Azoren ist er berühmt) Inselkäse produziert. Wir besichtigen eine Käserei. Drei gibt es auf der Insel, jede für jeweils eine Region. Die Milch wird von den Bauern direkt geliefert, in der Molkerei vor Verarbeitung labortechnisch untersucht, in Bottiche gefüllt, dort die Molke langsam getrennt, bis die Konsistenz eine käsige ist. Mit den Händen wird diese Masse zerkrümelt, wird Salz darunter gemischt, bevor sie in dicke Stahlformen gepresst wird und, dann von einer Wachsschicht umschlossen, auf riesigen Regalen reift. Und nach England, in die USA exportiert wird. Die haben es gut, denn der Käse ist sehr lecker.
Und es gibt, nicht zu glauben, Kaffee auf Sao Jorge! Angebaut! Von Nuno, in sehr kleinem Maße, aber selbst getrocknet und geröstet, vorzüglich. Leider – wenn auch aus gutem Grund – sehr teuer, so dass wir uns nur eine Tasse vor Ort gönnen.
Dort treffen wir einen freundlichen Amerikaner, Eric, der, mit einer Portugiesin aus Sao Jorge verheiratet, uns etwas über die jüngere Geschichte der Insel erzählt. 1980 wurde sie einmal mehr – von einem heftigen Erdbeben heimgesucht, das viele Bewohner obdachlos werden ließ. Kennedy ließ damals diese heimatlosen Menschen in die USA einreisen (das waren noch Zeiten!), und so zogen die azorischen Bauern, die noch nie weiter als zur nächsten Insel gereist waren, nach Californien Als Milchbauern! Californien hat eine ausgedehnte Milchindustrie (nie vorher gehört) und die Kenntnisse der azorischen Neubürger waren sehr gefragt. So war beiden Seiten geholfen. Die Portugiesen integrierten sich schnell, viele blieben dauerhaft im Exil, manche kamen zurück. Leben bescheidene, von der Landwirtschaft, der Fischerei, zunehmend vom Tourismus. Der bislang hier noch keinen Schaden angerichtet hat. Eric erzählt mit Schaudern, dass es auf der Hauptinsel der Azoren, Sao Miguel, mittlerweile ein Fastfoodrestaurant gibt. Wir sollen also, beschwört er uns augenzwinkernd, nicht zu viel von Sao Jorge schwärmen…Doch, das müssen wir. Aber hierher zieht es nur Naturliebhaber, Segler, Wanderer – und die wollen kein MacDonalds!


Liebe Ute, lieber Peter,
seit 10 Tagen nicht neues von Euch.
Nachdem ich fast täglich eure Reise verfolgen konnte,
bin ich fast irritiert. Natürlich werden wir uns bald im SWR
wiedersehen. Aber bis dahin war es toll eure Reise zu verfolgen.
Ja, ich bin auch schon ganz begierig zu wissen, wie’s weitergeht. Hoffe, es ist alles gut? Schönste Grüsse aus dem heissen – natürlich nur auf die Temperatur bezogen, die war heute bei 34° – Baden-Baden. Eure Nicoka May
Wenn ich die Bootsposition auf findship richtig interpretiere sind die beiden zwischen den Azoren und Portugal. aber noch ziemlich nah an den Azoren . LG Robert