Es herrscht Unruhe im Land

San Juan, 12.5.2017

Auf unserem Bummel durch die Stadt treffen wir ein paar Studenten, die protestieren. Uns ist aufgefallen, dass viel Polizei unterwegs ist, dass amerikanische Regierungsgebäude sehr stark geschützt werden, wir haben das auf die übliche Terrorangst zurückgeführt. Doch es hat wohl hausgemachte Gründe.

Puerto Rico ist das Griechenland der Karibik. Puerto Rico hat über 70 Milliarden Dollar Schulden und ist quasi bankrott.

Die Ursachen allerdings sind andere als bei den Griechen und sicher mannigfaltig. (Vorsicht, es folgt ein bisschen Geschichtsunterricht….)

Puerto Rico ist die älteste Kolonie der Welt! Erklärt uns Celia, eine der Protestierenden. In der Tat.

Seit Kolumbus die Insel entdeckte, wurde sie von verschiedenen europäischen Ländern beansprucht, um den Zugang zu Nordamerika zu sichern. Bis die USA 1898 (spanisch-amerikanischer Krieg – schon mal gehört? Wir nicht…) Puerto Rico besetzten.

Heute ist Puerto Rico immer noch quasi eine Kolonie der USA– kein vollwertiges Mitglied. Puerto Ricaner durften keinen Präsidenten wählen, haben keine Stimme im Repräsentantenhaus, müssen aber amerikanischer Rechtssprechung folgen. Sie dürfen nicht, wie andere US-Staaten, Insolvenz anmelden und damit eine Umschuldung vornehmen. Sie dürfen als Satellit der USA keine finanzielle Unterstützung anderer Länder oder Institutionen annehmen. Die USA aber haben politischen Einfluss. Sie empfehlen, Ausgaben zu kürzen.

Die puertoricanische Regierung spart also an Sozialausgaben, Unterstützung von Schulen, Universitäten, Bildung, Gesundheitswesen. Junge Menschen wandern ab. Die Arbeitslosigkeit ist hoch.

Widerstand, so Celia, wird erstickt. „Puerto Rico ist eine Diktatur geworden!“

Von all dem haben wir als Touristen nichts gemerkt. Die Menschen sind sehr freundlich, wir haben uns nie bedroht gefühlt.

Der Tourismus, eine der Einnahmequellen, ist seit der Finanzkrise in den USA zurückgegangen.

Wir können – bis jetzt – Puerto Rico als Ferienziel nur empfehlen. Nicht nur Seglern. Puerto Rico erleben wir als eines der schönsten Länder, die wir bisher besucht haben.

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