Wiedersehn

St. Martin, 2.4.2017

Wir hängen immer noch in St. Martin, nicht, weil es so besonders schön ist, sondern weil zum einen das Wetter spinnt. Wir haben keinen Wind – am Morgen liegen die Boote in der Bucht alle in verschiedenen Richtungen, weil nichtmal ein Lüftchen weht – normalerweise richten sich die Spitzen immer in den Wind und alle zeigen in die gleiche Richtung.

Dafür haben wir Wellen, die in die Bucht steigen. Bis zu zwei Meter hohe Brecher rollen unter uns hindurch, so etwas haben wir noch nie erlebt. Die Boote am Horizont verschwinden fast im Wellental. Sehr merkwürdig und nicht grade beruhigend.

Bei den Bedingungen auf See zu sein, wäre nicht verlockend.

Außerdem haben wir die letzte Inselkette in der Karibik vor uns., die Virgin islands. Da heißt es, gut zu timen. Wir wollen am liebsten so in der zweiten Maihälfte auf die Bermudas starten, da ist erfahrungsgemäß das Wetter günstig, da startet auch die ARC zurück.

Bis dahin müssen/dürfen wir also ausharren. Nun gelten die Virgin Islands als sehr verlockendes Segelrevier, und vermutlich könnte man dort Monate bleiben. Der Aufenthalt ist jedoch auf 30 Tage begrenzt. Danach muss man zahlen. Viel zahlen. 200 Dollar…

Eine Alternative wäre, auf die American Virgin Islands zu gehen, wir haben uns auch gut vorbereitet und ein ESTA Visum beantragt (und auch bekommen), anscheinend aber genügt das doch nicht, um in die USA eingelassen zu werden. Vielleicht jedoch kann man mit der Fähre von den BVIs in die USVIs fahren und bekommt den ersehnten Einreisestempel, um dann mit dem eigenen Boot einreisen zu können. Davor stehen aber noch viele Fragezeichen, kurzum, wir wollen auf St. Martin Zeit schinden, um flexibel auf den Virgin Islands zu sein und abreisen zu können, wenn die Bedingungen passen.

Abgesehen vom Wetter und dem lausigen Schwell ist das nicht so schlecht. Auf dem Marktplatz wird eine Bühne aufgebaut – der neugewählte Präsident bedankt sich mit Musik, Rum, Bier und noch mehr Rum bei seinen Wählern. Wir wissen ehrlich gesagt noch nichtmal, wie er heißt, werden aber trotzdem bedient. Wie nett. Wir sind die einzigen Weißen, ein ganz ungewohntes Gefühl. Es ist außerordentlich schön zu sehen, wie sich die Geladenen in Schale geworfen haben und bewegen. So viel Eleganz, Würde und Stolz! Toll.

Und dann haben wir noch eine Mail von Michael bekommen, er sei mit seiner Savanah auf St. Martin. Michael kennen wir von Martinique, er musste aber schnell weiter, wir waren nur noch sporadisch per Mail in Kontakt. Ich hatte ihn längst auf dem Heimweg gewähnt. Doch er hat seine Pläne geändert, lässt das Boot in der Karibik und füllt nun in St. Martin noch Vorräte und Wasser.

So ein Glück. Er kommt zu Fuß von der Lagune, wir genießen Rumpunsch und Pizza, erzählen und erzählen und bedauern sehr, dass wir uns so spät wieder über den Weg gelaufen sind. Aber – besser so als gar nicht!

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