Gibraltar

5.8.2017

Ich hab mich dann doch nicht betrunken.

Die Duschen sind ganz gut, wir liegen mal wieder ruhig, das ist auch schön. An den Geruch gewöhnt man sich…

Und die Stadt ist schon noch faszinierend. Es ist Sabbath, Juden tragen ihre Kippa, neben der Synagoge gibt es eine Moschee, unweit davon eine Kirche. Briten, Iren, Spanier, Marokkaner, Inder leben und arbeiten hier.

(Foto folgt, noch nicht gemacht)

Das nutzen wir und gehen abends indisch essen – hervorragend.

Bloss das Internet ist mal wieder eine Katastrophe, dabei wollen und müssen wir recherchieren, was wir an der spanischen Küste anlaufen können.

Und haben uns über Eure Mails gefreut – deshalb aber noch nicht beantwortet – sorry!

„Gib“…

4.8.2017

…ist anders, als wir es in Erinnerung hatten. Dreckiger. Mehr Frachtverkehr. Wir tanken erstmal, das ist spottbillig hier. Was hatten wir nach dieser Tankstelle gesucht…

Dann – die Marina. Leider bekommen wir nur einen Platz ewig weit weg von den Duschen. Aber besser als gar keinen.

Der Marinamitarbeiter lehnt gelangweilt bis genervt am Stromgeber, mein Gott, eine Hugin mit ihrem Langkieler braucht halt ihre Zeit!

Um uns dann, als wir endlich fest sind, erstmal mitzuteilen, dass wir sofort die Flagge zu wechseln (oh shit, wir haben noch die spanische drauf, das ist auch wirklich nicht nett), und uns tunlichst bald im Büro einzufinden hätten mit Pässen und Papieren! Ayay, Sir!

Auf den Azoren wurden wir nach dem Anlegemanöver empfangen mit den Worten: Jetzt kommt erstmal an, trinkt ein Bier, und irgendwann kommt ihr dann mal mit den Papieren vorbei…

Wo würdet Ihr lieber leben?

Die Marina gefällt mir auch nicht mehr, es ist stickig, riecht nach Abwasser, und die Wäscherei ist schweineteuer. Aus dem „alles waschen“ wird hier nichts, sonst sind wir arm.

Peter kennt das schon von mir und vertröstet mich auf morgen…

Heute aber, heute werde ich mich, glaube ich, betrinken. Ich will zurück in den Atlantik!

Landeanflug

4.8.2017

Wir stehen um halb 7 auf und starten gleich. Schließlich wollen wir mit der Tide in die Straße von Gibraltar, die es diesbezüglich in sich hat. Drei Stunden vor Hochwasser sollten wir in Barbate sein, da dort bereits die Strömung einsetzt.

Wir motoren. Wind gleich null. Die Landschaft wird immer schöner, wilder, weniger verbaut. Immer mehr Tanker kreuzen unseren Weg, ein Problem gibt es nie.

Ich freue mich eigentlich auf Gibraltar. Die Marina war schön. Endlich wieder Wäschewaschen! Und zwar ALLES!!!! Die Stadt hat uns damals auch gefallen.

Wir werden immer schneller, der Strom macht sich bemerkbar. Bis zu 8,3 Knoten! Unterwegs waren wir froh über 3,8…

Dann kommen wir näher und näher, Marokko sieht man jetzt deutlich. Wir erinnern uns. Vor nicht einmal einem Jahr haben wir Gibraltar verlassen, Richtung Kapverden, entlang an Marokko. Riesige Wellen, hatte uns eine türkische Seglerin damals prophezeit, und Peter erinnert sich, dass es auch so war. Sehr windig. Ich weiss davon nichts mehr, nur, dass ich ziemlich Schiss hatte. Unbegründet. Und ich erinnere mich an die vielen Tanker, die Fischnetze, Fischerbote nachts, oft unbeleuchtet. Und dass ich so gern Marokko angelaufen hätte…

Wir werden melancholisch, ein paar Tränchen fließen (bei mir…). Gibraltar war der Startschuss ins Unbekannte. Und nun – zu gern würden wir ein paar Wochen wieder daheim verbringen, Euch sehen, in die Arme schließen, uns vergewissern, dass es Euch gut geht. Und dann – sofort wieder los ziehen. Anders diesmal. Entspannter. Auf anderen Wegen…

Wer weiß. Vielleicht gibt es ein nächstes Mal, irgendwann…

Conil…

3.8.2017

…ist der richtige Rahmen für die letzte Nacht auf dem Atlantik.

Eine winnetoumäßige Bucht – naja, wenn man vom Sandstrand dazwischen absieht, da geht es zu wie es im Freibad eben zugeht zur Hochsaison. Steilküste, bewachsen mit Pinien, die bis aufs Boot duften. Relativ klares Wasser, endlich wieder schwimmen! Ich gehe gleich dreimal. Und nehme jeden Schwimmzug tief in mir auf. Das letzte Mal…

Um auch ein bisschen Kultur zu erleben, paddeln wir, pardon, rudert Peter uns, an den Strand. In der Bar nehmen wir einen Absacker, und ich finde doch wieder Gefallen an den spanischen Weinen. Peter bekommt eine Pina Colada, die ihn an die Karibik erinnert. Ach…

Um halb zehn leert sich der Strand wie von Zauberhand. Es wird ruhig, die Lichter der riesigen Bucht bis Barbate glimmen auf. Hinter uns ahnt man Marokko, nur 30 Meilen entfernt.

Wir überlegen, noch zu bleiben, der Wind hat sich wundersamer Weise beruhigt, aber wir haben schon eine Reservierung in der Marina in Gibraltar. Also dann – doch schweren Herzens los. Irgendwann muss der Abschied ja mal sein…

Mittlerweile sind wir am

zweiten August 2017

in Andalucia gelandet. Wir ankern vor Rota (auch ein Tipp von Barbara, danke!), in keiner Segelkarte eingezeichnet, aber möglich. Und nehmen die Fähre nach Cadiz.

Wir lernen es nie, obwohl wir es langsam wissen müssten: In Spanien beginnt das Leben um fünf. Abends. Frühestens. Und so fährt die Fähre auch erst nach der Siesta, wir schlagen Zeit tot in Rota und finden es nur mäßig interessant.

Cadiz ist toll, keine Frage. Sehr gut touristisch erschlossen, Rundwege sind gut markiert und erklärt, trotzdem hat die Stadt ihren Charakter erhalten. Wir sind fasziniert – aber auch ein bisschen müde und nicht mehr so recht bereit, uns schon wieder auf eine neue Historie einzulassen.

Wir nehmen die frühstmögliche Fähre zurück. Checken das Wetter ausführlich. Oha. Wir hatten gehofft, vielleicht doch länger hier bleiben zu können. Doch ab Montag naht Unbill – Starkwind aus Ost durch die Strasse von Gibraltar. Nein, Danke.

Also werden wir morgen noch einen Zwischenstop einlegen und dann durchziehen, nach „The Rock“.

Ayamonte…

31.7.2017

..die erste spanische Stadt am Atlantik, gefällt mir nicht so gut, Peter dafür umso mehr.
Es gibt hier tolle Plätze, keine Frage, aber ich find’s sehr rau, zu robust, es ist deutlich dreckiger, derber.

Die Tapas-Bar allerdings, die uns Barbara und Hageh empfohlen haben, ist vom Feinsten. Wir trinken ein Glas auf Euer Wohl – Danke für den Tipp!

Nachtrag

31.7.2017

In Vila Real gibt es auch sehr schöne Läden, in denen man so ziemlich alles kriegt. Auch eine Hängematte! Seit Guadaloupe habe ich damit geliebäugelt, aber nicht insistiert, weil ich mir nie hätte träumen lassen, dass Peter sie je benutzt. Großer Irrtum. Tut er. Und wie gern. Jaja, die Reise hat uns verändert…

Leben vom Meer

Vila Real, 31.7.2017

Wir gehen ins Museum, das im Historischen Archiv untergebracht ist. Eine Ausstellung darüber, wovon die Menschen in Vila Real lebten und leben – vom Fischfang und dessen Konservierung. Ein Schwarzweißfilm, vielleicht aus den fünfziger oder sechziger Jahren, zeigt, wie Thunfisch gefangen wurde. Wahrscheinlich hat fast die ganze Stadt mitgeholfen, die Netze zu legen. Das muss sehr solidarisch gewesen sein. Brutal, blutrünstig aber dann der Kampf zwischen Mann und Fisch. Mit Haken wurden die Tiere aus den Netzen an Bord gezogen. Hoffentlich ist das heute etwas humaner…

Die Frauen arbeiteten in der Fabrik, filetierten Thunfisch, Sardinen, dosten es zu, beklebten es mit Etiketten. Die Fischindustrie war offensichtlich die Lebensader.

Wir haben bis jetzt leider nicht herausbekommen können, ob es diese Fischfabriken noch heute gibt – endlos lange Netze entlang der Küste lassen dies eigentlich vermuten. Gesehen haben wir keine. Aber entgegen unserer Abneigung gegen den Thunfischfang in großem Stil und gegen Dosen Thunfischkonserven mitgenommen, hübsch bedruckt. Als Erinnerung…

Vila Real…

31.7.2017

…die letzte portugiesische Stadt am Atlantik, begeistert mich total. An jeder Ecke finde ich etwas neues, interessantes, die Pflastersteinkunst, die Ornamente in den Gehweg baut, die Kacheln, Hauseingänge, die Plätze mit Bäumen und Bänken, Skulpturen! Kultur an jeder Ecke. Viele nette Kneipen.

Peter ist die Stadt zu schachbrettartig. Das stimmt, so ist sie mal nach einem Seebeben 17hundertnochmalwas sehr schnell aus dem Boden gestampft worden. Aber sogar ich finde mich darin gut zurecht.

Der Rio Guadiana…

30.7.2017

….ist die Grenze zwischen Portugal und Spanien. Mehr als 25 Meilen soll man ihn auch flussaufwärts mit dem Segelboot befahren können, eine lohnende Reise, raten uns Barbara und Hageh.

Die Einfahrt ist noch abenteuerlicher als die in die Lagune. Wir laufen bei mittlerem Hochwasser ein, navigieren vorsichtigst, halten den Atem an – nichts passiert.

Zur linken: Villa Real auf der portugiesischen, etwas später danach Ayamonte auf der spanischen Seite. Dann kommt die Brücke über den Fluss. Die könnten wir passieren, meinten Barbara und Hageh – je näher wir kommen, desto mehr zweifeln wir. Drosseln die Geschwindigkeit, so es geht, die Strömung ist stark. Reicht es….?????

Nein.

Einen Meter, bevor der Mast hängen bleibt, reißt Peter das Boot herum und legt den Rückwärtsgang ein. Wir sind froh, so viel PS zu haben!

Schade. So ankern wir vor Ayamonte. Auch das ein Abenteuer – wir berechnen das Niedrigwasser, hoffen, die Entfernung zum seichten Flussufer reicht, hoffen, dass der Anker hält. Und aktivieren vorsichtshalber nachts den Ankeralarm…