Auf dem Atlantik , 17.-20.7.2017, 37°10N, 17°56W
…am 17.7. um 16 Uhr legen wir ab.
Ich hatte unsere Reise über den Atlantik mit der Ankunft auf den Azoren mental beendet. Von dort aufs Festland – so um die 500 Meilen. Ein Klacks. Dachte ich. Welch ein Irrtum.
Es sind über 800 Meilen bis Lagos, etwa 7 Tage. Und darauf habe ich, haben wir beide, gar keine Lust mehr. Wohl scheint der Wind uns relativ wohlgesonnen, aber wir könnten auf diesen letzten Abschnitt auf dem Ozean verzichten.
Es fängt auch nicht so toll an.
Bewölkt, dann Regen, so dass die Viertelstundennickerchen der Wache an Deck ausfallen. Zu nass. Außerdem ist es so finster, dass wir wirklich Ausguck halten – nach Fischerbooten, Walen…Wir schlafen beide kaum und sind ziemlich gerädert.
Der Tag darauf ist nicht Freitag der 13., aber ein schwarzer Tag. Ich höre in den frühen Morgenstunden Peter an Deck wurschteln und sehe ihn – den verbogenen Spi-Baum bergen.
Wir hatten Wind von hinten, die Fock also ausgebaumt, bilderbuchmäßig nach oben, rechts und links gesichert, und dann waren die Kräfte doch zu stark. So ein Mist.
Nicht viel später geht es weiter. Wir fahren unter Windsteueranlage, um den Autopiloten zu schonen, und Hugin steuert plötzlich, wohin sie will. Peter schaut nach – der Stift, der Schaft und Ruder der Windsteueranlage verbindet, ist gebrochen. Zum Glück hatte Peter das Ruderblatt noch vor kurzem mit einem Tau gesichert, sonst wäre es dahin. Und zum Glück gibt es einen Ersatzstift an Bord. Peter befestigt ihn, bäuchlings auf der Badeplattform liegend, bei 2 Meter hohen Wellen und starkem Geschaukel. Irgendwie. Ich bin gottfroh, als er wieder im Cockpit ist. Nass, aber erfolgreich.
Dass bei dem Geschaukel meine Minestrone förmlich aus dem Topf geschleudert wird, ist angesichts der sonstigen Peche eher nicht erwähnenswert. Mich ärgert es trotzdem. Überhaupt wieder dieses anstrengende Kochen – alles festhalten, keinen Moment aus den Augen lassen…nur noch 6 Tage…
Noch dazu hat Peter Knieprobleme, er kann sein linkes nicht beugen. Das wäre der Gau. Peter lädiert, krank, nicht einsatzfähig…Ich gehe im Stillen durch, wie ich Segel setzen würde, wenn ich es allein tun müsste…unter Motor bringe ich uns auf jeden Fall aufs Festland. Aber hält Peter durch? Wenn er starke Schmerzen kriegt? Und was dann? Zurückfliegen ab Faro? Falls es der Minikus ist – vor Ort operieren lassen?
Am nächsten Tag geht es Peter zum Glück wieder besser.
Und der Wind hat ein Einsehen und dreht auf Halbwindkurs, der ist gemäßigter, wir schaukeln deutlich weniger. Dann lässt er nach, wir motorsegeln, bis er doch wieder zulegt, und dann das Ganze wieder von vorn. …340 Meilen haben wir heute, am 20., geschafft. Bleiben rund 500. Noch 4 lange Tage…
