Die Jungfernfahrt

3.2.2017

Um 15:30 Uhr kommen Jean-Paul und Romain, um mit uns zu sehen, ob der neue Motor nicht nur anspringt, sondern auch fährt….Tut er. Ein absolutes Vergnügen. Leise und stetig, egal, bei welchen Drehzahlen. Wir werden uns umstellen müssen und ihn öfter mal hochdrehen müssen – ein Turbo braucht halt Power. Schade, dass wir noch nicht ganz loslegen können, das Knie, das das Wasser am Rücklaufen zum Motor hindern soll, muss noch fabriziert und eingebaut werden. Segeln dürfen wir, wegen der Schräglage, noch nicht. Gegen ein paar Meilen motoren haben die Mechaniker aber keine Bedenken. So kommen wir wenigstens von der Werft weg! Wir wollen nach St-Anne.

Zuerst aber feiern wir den Erfolg mit Romain, der so super gearbeitet hat, bei einem Gläschen Cava den wir noch aus Spanien mitgebracht hatten. Es ist nett und es wird später und später – zu spät, um zu zahlen. Das Büro hat bereits geschlossen. So ein Mist. Dann müssen wir doch noch bis Morgen bleiben.

Also Plan B: Auf den Wunsch einer einzelnen Dame nochmal in die Zanzibar. Wenigstens auf einen Rumpunsch. Auf dem Boot essen und früh ins Bett.

Auf dem Weg zur Dusche ruft jemand „Ute“. Ich reagiere nicht, kein Mensch kann in Frankreich meinen Namen richtig aussprechen. Nochmal: „Ute!!!“ Wir stoppen. Es ist Martin!! Mit Vollbart, deshalb haben wir ihn nicht erkannt. Wir kennen aus aus Mindelo, von den Kapverden. Ich hatte mich erst kürzlich gefragt, was aus ihm geworden ist. Wie nett!!! Wir verabreden uns auf unser Boot, später.

 

 

 

 

Ein Fest

war das Essen in der Zanzibar gestern (Foto folgt hoffentlich).

Und wir haben nicht nur den –fast ohne Probleme – laufenden neuen Motor gefeiert, sondern auch meinen Arm. Den kann ich angewinkelt immerhin jetzt bis zur Nasenspitze heben, habe kaum noch Schmerzen, und der Bluterguss hat sich auch fast ganz zurückgebildet.

Ich bin glücklich!

Und gestern Abend war genau der richtige Rahmen. Ein wunderschön eingerichtetes kleines Restaurant mit viel Holz, gekalktem Geländer, Buddha-Bar-Musik, tolle Gemälde, Portraits von Schwarzen an den Wänden, darunter Josephine Baker und Jimi Hendrix – das Essen – ein Gedicht. Peter war glücklich mit seinem Steak, ich selig mit meiner vegetarischen Platte: knackiger Salat mit Sesam, das gratinierte Gemüse der Saison entpuppte sich als Bananen und war sehr lecker! Dazu Süßkartoffelpüree und gedünstetes Gemüse. Der Wein – grandios., ein Weißer aus der Gascogne. Was für ein schöner Abend!

Seitdem bin ich im total entspannten Karibikfeeling. Und wenn wir jetzt noch bleiben müssen – umso besser. Dann gehen wir da nämlich nochmal Rumpunch trinken!

 

Der Motor läuft!

Er springt an auf Knopfdruck und schnurrt wir ein Tiger.

Bloss leider können wir nicht fahren.

Das Kühlwasser, dass durch den Auspuff nach außen geleitet wird, fließt zurück! Unser neuer ist halt doch schwächer als unser alter. Der Yanmar schafft es nicht, genug Druck aufzubauen, um das Wasser aus dem großen Auspuffrohr nach draußen zu befördern. Ganz schlecht. Denn dann droht, Wasser zurück in den Motor zu laufen.

Wir müssen also den Auspuffschlauch im Durchmesser verkleinern.

So ein Mist.

Wir hatten gehofft, morgen losfahren zu können!

Na gut.

Auf der anderen Seite haben sich gerade heute richtig nette Bekanntschaften ergeben.

Zum Beispiel mit Anders, einem Dänen, der sich Anner ausspricht, weil man im Dänischen das „d“ nicht spricht. Na sowas. Er kennt uns von den Kapverden, er ist uns leider nicht in Erinnerung. Hatte die gleiche Erfahrung wie wir auf dem Wasser – rollig, nicht angenehm. Er will mit seiner Familie weiter nach Kolumbien und Panama – schade, dass wir nicht die gleiche Route haben.

Dann ist da Bilka, eine Estin, die mit ihrem riesigen Katamaran vor uns hier in der Werft gelegen ist (samt Mann). Ich treffe sie in der Gluthitze auf dem Platz wieder. Sie wollen nach Antigua, ein Rennen segeln. Sie sind Regattasegler, fahren von einer Regatta zur nächsten. Ihre Augen leuchten. Manche Rennen macht sie auch nur mit einer Frauencrew. Au ja, da kann ich was von ihr lernen, ich hab schon Schiss, wenn ich daran denke, die Bahamas hochzusegeln. Die Bahamas! Ihre Augen leuchten wieder! Da gibt es Haie! Du musst ganz ruhig bleiben. Und wenn einer angreift, nach ihm treten! Sagt sie. Ich werde es beherzigen…Und hoffe, dass wir uns in Antigua wieder sehen. Ich jedenfalls werde ihr an der Ziellinie zujubeln – von Land aus…

Und dann ist da Barbara, die ich in der Bäckerei treffe. Aus den USA. Nein, nein, sagt sie sofort, ich habe Trump nicht gewählt! Mit dem habe sie nichts zu tun, und sie ist entsetzt über das, was grade in den Staaten passiert. Wir kommen ins Reden und Reden und stellen fest, dass sie an der gleichen Uni wie ich in Florida studiert hat. In Gainesville. Allerdings etwas früher. Die Welt ist klein. Wir könnten noch stundenlang quatschen, aber ich muss dann doch mal los zu Peter, der auf das Brot zum Mittagessen wartet. Wir hoffen, dass wir uns wieder treffen. Und vielleicht – besucht sie uns ja mal in Baden-Baden. Sprich einem Amerikaner keine Einladung aus, flachst sie. Die kommen! Na, aber gern!

Grund genug zum Feiern. Fast fertig!  Wir sind optimistisch. Deshalb lade ich heute Abend  Peter zum Essen ein. In ein etwas schickeres Lokal, das sehr gute Küche haben soll. Wir berichten!

Kein Boden unter den Füssen!

Le Marins, 30.1.2017

Der Boden im Cockpit ist weg, da zugleich der Deckel des Motorraums – Romain kann so besser arbeiten uns hat Licht.

Der Boden der Bilge, des quasi Kellers also im bot, ist weg, weil der Tank immer noch eingebaut werden muss. Die Leiter vom Boot nach draußen ist weg, damit man an das Tankloch kann…

Aber es wird! Peter steht dem sehr jungen Tankbauern buchstäblich auf den Füssen, damit der keinen Blödsinn macht und voran kommt. Den eigentlichen Chef kümmert es nämlich anscheinend herzlich wenig, ob und wie der Tank fertig wird.

Romain aber, der den Motor einbaut, ist ein einziger Lichtblick. Umsichtig, hilfsbereit, richtig toll. Mecanique Plaisance – falls das jemanden interessiert. Sie werden noch unter „Dank an“ erwähnt – falls der Motor denn auch wirklich ohne Probleme läuft…Morgen ist hoffentlich endlich, endlich Probefahrt, und dann können wir hoffentlich endlich, endlich in schöne Buchten.

Wobei das Wetter nicht so verlockend ist – starkwindig und regnerisch.