Bermuda, 26.5.2017
…ereilt uns nun doch. Bis zu 40 Knoten Wind sind angesagt, der Start des America’s Cup wird abgesagt. Zum Glück doch ein Quäntchen Verstand, es hätte Tote geben können.
Unser Anker hält nicht besonders….Wir haben zwar sehr viel Kette – 60 Meter – gesteckt, aber ganz sicher fühlen wir uns nicht. Also bringen wir den Zweitanker aus, den, den wir um die halbe Welt am Mast mitgeschleppt haben, der immer im Weg, von mir belächelt, war, und der nur auf diesen einen, seinen großen Moment gewartet hat.
Und wieder bewundere ich meinen Mann (ich muss dieses Loblied einfach noch einmal singen). Es ist unglaublich, mit welcher Weit-, Umsicht er vorgeht, obwohl er dieses Manöver noch nie gemacht hat. Jeder Handgriff sitzt, alles ist wohl überlegt. Käpt’n, mein Käpt’n…!!!
Um 12 Uhr hat es höchstens 22 Knoten geblasen. Nicht so schlimm, wie angekündigt. Dennoch, wir bleiben lieber an Bord und machen Haushaltstag…
Um 14 Uhr, wir sitzen gerade auf Deck beim Mittagessen, ist es dann soweit. Eine kanadische Yacht schiebt sich, Heck voran, in unser Blickfeld. Da stimmt was nicht! In der tat, sie slippt, der Anker hält nicht, und niemand ist an Bord. Zwei junge deutsche Skipper sind ihr mit ihrem Dinghi und Zweitanker schon auf den Fersen, Peter eilt ihnen zu Hilfe und ich setzte meinen ersten offiziellen Funkruf ab: „Securite’, securite’, securite’, to all ships in powder hole, all ships in powder hole, this is sailing yacht Hugin….“
Mehr Dinghis sammeln sich, um zu retten, und für’s erste scheint die Gefahr, das kanadische Boot könnte auf Felsen gespült werden oder andere Boote rammen, gebannt.
Kurz darauf geht eine andere Yacht auf Slip, auch da bricht hektische Aktivität aus.
Der Kanadier slippt wieder, Peter erbarmt sich erneut und bringt zusammen mit zwei Amerikanern das Schiff nach langen Versuchen endgültig zum Halt.
Zwischendurch bläst es mit 28 Knoten, da schaukelt es schon ganz ordentlich. Aber unsere Anker…halten!
Abends wird es ruhiger, die Vorhersage von 40 Knoten erfüllt sich zum Glück nicht.
Dafür regnet es stark, wir verkriechen uns unter Deck und gucken ausnahmsweise mal Kino: einen alten James Bond – Film mit Roger Moore. In memoriam…
