Nepper, Schlepper, Bauernfänger – 2

St. Martin, 30.3.2017

Also nichts wie zurück ins Auto, wir suchen die Natur! Schöne Strände! Auch die gibt es eher auf der französischen Seite. Die Baie des Flamands sieht auf der Karte vielversprechend aus, eine kleine Bucht, ein Riff, in der Realität ist es nicht ganz so überzeugend, das Meer ist trübe und dreckig, dennoch von oben aber ein ganz hübscher Ausblick. Wir packen unsere Brote aus.

Werden kurz darauf von einer quirligen Französin, begleitet von einem jungen Mann, angesprochen. Ob wir bei einem Preisausschreiben mitmachen wollten? Nee, eher nicht. Doch, es ginge ganz schnell, und sie bekäme dafür eine prima Provision. Also gut. Rubellose. Wir rubbeln. Gewonnen, jubelt die junge Dame Peter zu. Dreimal das gleiche Symbol, ach, er ist ein Glückspilz! Es wird von einem Hotel veranstaltet. Gewonnen hätten wir auf jeden Fall, 1000 Dollar, eine Woche in jenem Hotel oder ein ibook. Nun brauchen wir nur noch eine eineinhalbstündige Führung mitzumachen und ein paar Fragen zu beantworten, dann wäre einer dieser Preise unser!

Natürlich sind wir skeptisch wir sind ja nicht blöd! Aber eineinhalb Stunden kann man ja mal über sich ergehen lassen, ein Gratisdrink ist auch inklusive. Und falls wir wirklich einen der Preise gewinnen? Wer kann dazu schon „Nein“ sagen…

Wir folgen dem Paar zu dem Hotel. Dort sollen wir Fragen beantworten, die ziemlich privat sind, nach Einkommens- und Lebensverhältnissen, um, so erklärt man uns, zu sehen, ob wir geeignet für das Projekt wären.

Das Projekt? Ein time-sharing-Projekt. Aaahhh! Ich habe vor Jahr und Tag mal eine Reportage über solche Machenschaften für ein Verbrauchermagazin gemacht. Jetzt wird es interessant. Wie versuchen sie, uns an den Haken zu kriegen?

Es erscheint Dyane, eine sehr attraktive, dunkelhäutige Dame, die uns auf atemberaubenden Highheels entgegenstöckelt. Und uns – sehr charmant und sehr eloquent – in knapp zwei Stunden bei einer sehr guten Margherita vor wunderbarer Kulisse erklärt, wie wir unser Urlaubsgeld viel besser anlegen könnten. (Dass wir auf einem Segelboot unterwegs sind, hatten unsere Schlepper gesagt, sollten wir verschweigen – nun wissen wir auch, warum. Segler sind viel zu unabhängig.)

Es klingt gar nicht mal schlecht. Außerdem wirkt die Margharita, im Garten, wo unser Verkaufsgespräch stattfindet, stolziert ein Iguan umher – kann ein Hotel schlecht sein, dass diese Tiere frei zwischen seinen Gästen umherlaufen lässt? Nein!

Dann zeigt Dyane uns die Zimmer, ach was, Paläste. Sehnsüchtig sehe ich hübsch eingerichtete Schlafzimmer, garantiert nicht schaukelnd, viel, gaaanz viel Platz. Jeden Tag saubergemacht, aufgeräumt, zweimal die Woche Laken gewechselt vom Zimmerservice. Ein Läuten, und schon wird das Abendessen auf der Terrasse serviert….seufz.

Es folgt das entscheidende Gespräch in der Lobby. Sind wir für dieses Projekt geeignet?
Wir schütteln entschieden den Kopf. Sind wir nicht. Zu viel Geld um uns herum. So viel Luxus sind wir einfach nicht gewöhnt, und – wir sind nunmal Zigeuner…

Dyane lächelt und nickt. Sie hat es gewusst, das wird nichts. Reicht uns trotzdem die Hand zum Abschied und wünscht uns alles Gute.

Begleitet uns an die Rezeption, wo wir unseren Preis entgegennehmen können. Eine Münze liegt schon bereit, Peter rubbelt nochmal. Und gewinnt – eine Woche in einem der zum time-sharing gehörenden Hotels. Der Rezeptionist gratuliert. Und verweist auf das Kleingedruckte. Fällig werden bei Antritt der Reise Verwaltungsgebühren. Die entsprechen in etwa dem Preis, den man sowieso für eine Woche zahlen würde…Und ich schwöre, der Kerl grinst!

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