{"id":625,"date":"2016-10-31T20:52:11","date_gmt":"2016-10-31T18:52:11","guid":{"rendered":"http:\/\/hugin31155.apps-1and1.net\/?p=625"},"modified":"2016-10-31T20:52:11","modified_gmt":"2016-10-31T18:52:11","slug":"der-atlantik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hugin3.de\/?p=625","title":{"rendered":"Der Atlantik"},"content":{"rendered":"<p>Wir schaffen es ausnahmsweise mal ziemlich p\u00fcnktlich, abzulegen. Zeit ist heute Sicherheit&#8230; Das Wetter ist nicht sch\u00f6n. Grau, diesig. Wir verlassen das Becken von Gibraltar und sp\u00fcren den Strom. Wir setzen Segel. Bleiben aber ziemlich k\u00fcstennah, damit die Str\u00f6mung mit uns ist. Auch wenn das Wetter nicht gl\u00e4nzt \u2013 die K\u00fcste ist beeindruckend. Irgendwann packt uns der Strom, so wie er soll. Er kommt von hinten. Wir machen nicht gerade eine Rauschefahrt, ab doch immerhin um die 6 Knoten. Die Wellen schieben uns regelrecht vorw\u00e4rts. Wo beginnt er denn nun, der Atlantik? Schwer zu sagen. Schneller als erwartet passieren wir Tarifa. Und das ist nun eindeutig schon Atlantik.<\/p>\n<p>Der Wind nimmt zu, die Wellen auch, kein Wunder, Tarifa ist eine der, wenn nicht gerade die windreichste Stadt Europas. Ein Surfer-Hotspot. Da ist die Stelle zwischen Spanien und Marokko am engsten, da wird der Wind richtig komprimiert. Wir k\u00f6nnen auch nicht klagen, aber so arg wie bef\u00fcrchtet wird er nicht.<\/p>\n<p>Wir biegen ab Richtung Afrika. Da wird es richtig sch\u00f6n. Die Sonne kommt, die Wellen sind deutlich niedriger. Wir queren hinter dem Verkehrstrennungsgebiet. Fischerboote, die gef\u00fcrchteten. Fischernetze, mit Ballons gekennzeichnet, die in den doch noch ziemlich hohen Wellen erst im letzten Moment auszumachen sind. Wir m\u00fcssen aufpassen wie Schie\u00dfhunde.<\/p>\n<p>Schlimm aber, schlimm ist es bislang \u00fcberhaupt nicht. Hoffen wir, dass wir das Kap bei Tanger fr\u00fch erreichen und in K\u00fcstenn\u00e4he abbiegen k\u00f6nnen. Bevor der vorhergesagte Sturm 42 Knoten gegenan -, kommt.<\/p>\n<p>Wir sind gut in der Zeit. Die Wellen werden deutlich energischer, Atlantikfeeling. Noch ist alles im Wohlf\u00fchlbereich.<\/p>\n<p>Es wird dunkel. Wir essen. Ich habe gestern abend noch eine H\u00fchnersuppe vorgekocht, mit viel Ingwer. Zum W\u00e4rmen, Wohlf\u00fchlen, gegen Seekrankheit und \u00fcberhaupt. Leider ist sie innerhalb von diesem einen Tag sauer geworden! Wir haben zu wenig Platz im K\u00fchlschrank, und im \u201eSalon\u201c war es anscheinend zu warm. (Ich habe lange in der Stadt einen freilaufenden Metzger gesucht &#8211; meine Hoffnung auf gutes Fleisch bei den Marokkanern und Spaniern hier, die Supermarkth\u00fchner sahen grauenhaft aus. Ich fand ihn und bekam- ein tiefgefrorenes Huhn aus D\u00e4nemark! In Gibraltar, l\u00e4chelte er freundlich, g\u00e4be es eben nur Felsen \u2013 und Affen!)<\/p>\n<p>Das mit der Suppe vom tiefgefrorenen Huhn aus D\u00e4nemark war also nichts. N\u00e4chstes Mal m\u00fcssen wir die Proviantierung besser planen. Verhungern aber werden wir nie \u2013 wir haben Spaghetti, die einmal um die ganze Welt reichen.<\/p>\n<p>Der Wind nimmt nun doch zu, wie vorhergesagt. 25 bis 30 Knoten, von hinten, also ganz angenehm. Es schaukelt allerdings ohne Ende. Dass ich nicht seekrank werde, schreibe ich unseren dreimonatigen Schwellerfahrungen in verschiedenen Buchten zu&#8230;<\/p>\n<p>Peter, noch putzmunter, \u00fcbernimmt die erste Schicht. Es ist viel zu tun, reffen, ausreffen, AIS und Radar beobachten, ausweichen. Ich kugele mit jeder Welle in der gro\u00dfen Koje von einer Ecke in die n\u00e4chste. Und \u00fcbernehme um halb drei.<\/p>\n<p>Um das Wachehalten wird eine regelrechte Wissenschaft betrieben. Manche Crews starten um 20 Uhr und schw\u00f6ren auf einen zwei-Stunden-Rhythmus, andere auf drei. Wir halten uns an keinen Zeitplan. Wer m\u00fcde ist, darf ins Bett. Vier Stunden haben sich bisher als gut erwiesen. Wenn auf dem Meer viel los ist, geht die Zeit schnell rum. Und der andere kann am St\u00fcck vier Stunden, naja, nicht unbedingt schlafen, aber zumindest ruhen. Bislang klappt das ganz gut.<\/p>\n<p>Die \u201eWache\u201c ist angeleint, das haben wir uns versprochen. Das hei\u00dft, der, der drau\u00dfen ist, tr\u00e4gt einen Gurt wie ihn Kleinkinder bekommen, damit sie nicht aus dem Kinderwagen fallen (zu meiner Zeit war das jedenfalls so). Daran ist ein Karabinerhaken, mit dem hakt man sich an einem stabilen Tau oder \u00e4hnlichem ein.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem tragen wir eine kleine Epirb, die Alarm gibt, wenn man \u00fcber Bord geht, damit der Schlafende \u00fcberhaupt mitbekommt, dass der andere ein Problem hat&#8230;.Ob ich die jedoch im Wasser vor Schreck ausl\u00f6sen k\u00f6nnte, ich wei\u00df ja nicht&#8230; Besser wir fallen gar nicht erst. Und gurten uns eben an.<\/p>\n<p>Und wir sind froh \u00fcber unser Mittelcockpit! Die Wellen, die von hinten heranrauschen, haben viel Kraft und n\u00f6tigen uns einigen Respekt ab. Die ins Cockpit einsteigen zu sehen und zu f\u00fchlen, wenn man im Cockpit hinten im Boot stehen muss \u2013 keine so angenehme Idee. Wir f\u00fchlen uns auf unserer Hugin sicher!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir schaffen es ausnahmsweise mal ziemlich p\u00fcnktlich, abzulegen. Zeit ist heute Sicherheit&#8230; Das Wetter ist nicht sch\u00f6n. Grau, diesig. Wir verlassen das Becken von Gibraltar und sp\u00fcren den Strom. Wir setzen Segel. Bleiben aber ziemlich k\u00fcstennah, damit die Str\u00f6mung mit uns ist. Auch wenn das Wetter nicht gl\u00e4nzt \u2013 die K\u00fcste ist beeindruckend. 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