{"id":283,"date":"2016-07-25T20:22:34","date_gmt":"2016-07-25T18:22:34","guid":{"rendered":"http:\/\/hugin31155.apps-1and1.net\/?p=283"},"modified":"2016-07-25T20:22:34","modified_gmt":"2016-07-25T18:22:34","slug":"meuterei-auf-der-hugin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hugin3.de\/?p=283","title":{"rendered":"Meuterei auf der Hugin"},"content":{"rendered":"<p>Es ist Sontag, der 24. Und es wird nicht unser bester Tag&#8230;<\/p>\n<p>Dabei beginnt alles so gut. Wir legen ab Richtung Lipsie, 25 sm, ca. 50 Kilometer also, wir haben den Wind von hinten und gleiten \u00fcber das Meer. Ach, ist Segeln sch\u00f6n!<\/p>\n<p>Die Freude w\u00e4hrt eine Stunde. Dann schl\u00e4ft der Wind ein und die Wellen \u00fcbernehmen das Kommando. Und schaukeln, nein werfen uns von einem Bug auf den anderen. Es ist nicht eben magenfreundlich&#8230;<\/p>\n<p>Die Fock schl\u00e4gt bedrohlich um sich, weil sie keinen Wind mehr hat, wir baumen aus (d.h., man setzt ein Aluminiumrohr an den Mast und befestigt das Vorsegel daran, um ihm Stabilit\u00e4t zu geben und die M\u00f6glichkeit, den Wind zu fangen. Das Vorsegel hat normalerweis keinen Baum, sondern bewegt sich frei). Peter, um genau zu sein, baumt aus. Peter bewegt sich wie eine Bergziege bei dem Wellengang. Ich krieche auf allen Vieren oder rutsche auf dem Hosenboden. Ich bin ihm nicht wirklich eine Hilfe. Peter wird etwas ungn\u00e4dig. Ich kann es ihm nicht verdenken&#8230;<\/p>\n<p>Eine halbe Stunde sp\u00e4ter gauchen (so nennt man das Schaukeln) wir immer noch und kommen nicht voran.<\/p>\n<p>Aber wir haben ja f\u00fcr solche F\u00e4lle einen Parasailor! Ein super Segel f\u00fcr Schwachwind, vom Papst der Langfahrtsegler Bobby Schenk h\u00f6chstpers\u00f6nlich empfohlen: einmal gesetzt, nie wieder runtergeholt.<\/p>\n<p>Die Rettung. Und ganz schnell mal eben angeschlagen, easy zu bedienen. Ich bin nicht so sicher, \u201emal eben\u201c geht in der Regel auf dem Boot gar nicht. Peter schimpft mich eine Pessimistin.<\/p>\n<p>Eine Stunde sp\u00e4ter sitzen wir entnervt vor dem noch immer nicht entfalteten Parasailor. Das gute St\u00fcck war in der Segelmacherei zum Checken und saubermachen, und die haben es derma\u00dfen dilettantisch zusammengelegt, dass nichts mehr zusammenpasst. Wir drehen, entwursten, entfalten, bis es denn klappen k\u00f6nnte&#8230;mittlerweile ist der Wind so stark, dass der Parasailor \u00fcberfordert ist.<\/p>\n<p>Wir setzen die Fock und reffen sofort. Starkwind, B\u00f6en bis zu 35Knoten. Das ist auf dem Kurs nicht schlimm, zu segeln, aber alles andere als easy sailing. Wer die Baccardi-Werbung erfunden hat, l\u00fcgt!<\/p>\n<p>Geschafft! Wir werfen den Anker in Lipsi-Bucht und gehen erstmal baden.<\/p>\n<p>Dann \u00fcberlegen wir den n\u00e4chsten Tag. Wir wollen endlich nach Westen stechen und das bekannte Segelrevier verlassen. Paros, bestimmt Peter. Ca.\u00a050 sm.<\/p>\n<p>Ich messe nach. Es snd 70 sm, etwa 14 Segelstunden. Und ich weigere mich!<\/p>\n<p>Peter argumentiert, es sei Halbwindkurs, der angenehmste also. Au\u00dferdem m\u00fcssen wir endlich voran kommen! Ich kenne den Halbwindkurs im Starkwindrevier und sage erst recht nein. Klar, wir m\u00fcssen ein Starkwindrevier kreuzen, aber 14 Stunden sind mir zu viel Plackerei. Unsere gro\u00dfe Reise steht unter dem Versprechen, \u201eSegeln und genie\u00dfen\u201c und nicht \u201eSegeln und leiden\u201c! Peter \u00fcberlegt, mich in den n\u00e4chsten Flieger nach Athen zu setzen.<\/p>\n<p>Wir gehen erstmal essen.<\/p>\n<p>Der Grund, in Lipsi zu ankern, ist nicht unbedingt die Bucht selbst. Die ist klein, wildromantisch, leider total fischarm. Der Grund ist \u201eDas Paradies\u201c. So hat ein Segler mal die bis dato namenlose Kneipe am Strand getauft, bevor Tripadvisor auf sie aufmerksam wurde und sie sich seitdem \u201eDilaila\u201c nennt. Das hat der K\u00fcche zum Gl\u00fcck keinen Abbruch getan. Sie ist einzigartig in der \u00c4g\u00e4is.<\/p>\n<p>Zehn Jungs werkeln konzentriert-entspannt an den Herden, an der Wand prangt eine riesige Flagge mit dem Konterfei Bob Marleys und dessen Schrei nach \u201eFreedom\u201c.<\/p>\n<p>Freiheit nehmen sich auch die Jungs der Dilaila in der Komposition ihrer Zutaten. Alles kommt aus Lipsi und wird h\u00f6chst kreativ und k\u00f6stlichst gemixt. Kichererbsen mit Feigen, Rosinen und Zitronendressing, Orangen mit Feta , Gurke und Minze, und \u00fcber allem: der crazy feta. Ein scharfer, \u00fcberbackener, cremiger Schafsk\u00e4se, Unvergleichlich.<\/p>\n<p>Bob Marley im Sinn und das wunderbare Essen im Magen gehen wir nochmal an unsere T\u00f6rnplanung. Ich schlage Peter Amorgos vor. 50 sm, Und wir verlieren einen Tag.. Einen Tag von 14 Monaten! Peter seufzt. Und willigt ein. Ich k\u00f6nnte ihn k\u00fcssen! Und das tue ich dann auch&#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist Sontag, der 24. Und es wird nicht unser bester Tag&#8230; Dabei beginnt alles so gut. Wir legen ab Richtung Lipsie, 25 sm, ca. 50 Kilometer also, wir haben den Wind von hinten und gleiten \u00fcber das Meer. Ach, ist Segeln sch\u00f6n! Die Freude w\u00e4hrt eine Stunde. 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