{"id":1449,"date":"2017-06-12T08:39:27","date_gmt":"2017-06-12T06:39:27","guid":{"rendered":"http:\/\/hugin31155.apps-1and1.net\/?p=1449"},"modified":"2017-06-12T08:39:27","modified_gmt":"2017-06-12T06:39:27","slug":"ueberfahrt-auf-die-azoren-tag-4-6","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hugin3.de\/?p=1449","title":{"rendered":"\u00dcberfahrt zu den Azoren: Tag 4-6"},"content":{"rendered":"<p>7.6., 4. Tag<\/p>\n<p>32 Grad 48 N, 55 Grad 27 W, 116 sm<\/p>\n<p>Unsere Strategie scheint sich zu bew\u00e4hren. Der Wind kommt aus SW, wir segeln bei 120 Grad Raumschotkurs, und das ist der Kurs, den die Hugin liebt. Und wir mit ihr. Kein Schaukeln, keine gro\u00dfe Schr\u00e4glage, trotzdem wir bei 13 Koten Wind fast 6 Knoten Geschwindigkeit. So k\u00f6nnte es bleiben!<\/p>\n<p>Zwei Stunden lang. Dann dreht der Wind unerbittlich auf W. Wir bekommen ihn genau von hinten. Und das hei\u00dft wieder: Schaukeln. Von einem Bug auf den anderen. Bei jedem schritt festhalten, akrobatisches Kochen, unm\u00f6gliches Schlafen in der Koje, weil man von einer Seite auf die andere rollt. Am angenehmsten ist das noch im Cockpit, mit einem Arm eingehakt, ist das Schlafen auf der Sitzbank komfortabler als unter Deck.<\/p>\n<p>Aber es ist kalt. Und vor allem feucht. Im Boot haben wir eine Luftfeuchtigkeit von 100 Prozent. Alle Kissen sind nass, klamm, die Klamotten fangen an zu muffeln. Ist Segeln sch\u00f6n!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>8.6.2017, 5. Tag<\/p>\n<p>32 Grad 27 N, 53 Grad 12 W, 126 sm<\/p>\n<p>Der Wind hat zugelegt. 29 Knoten hat die Wetterwelt versprochen, und das h\u00e4lt er auch ein. 5-7 Beaufort. Da er von hinten kommt, ist das nicht so schlimm, aber das Fr\u00fchst\u00fcck wird zu einer Lachnummer und Geduldsprobe. Kaffee eingie\u00dfen \u2013 geht gar nicht, der wird glatt vom Wind aus der Tasse gefegt.\u00a0 Die Brote wandern selbstst\u00e4ndig vom Teller. Das hei\u00dft, einer von uns h\u00e4lt sie fest, w\u00e4hrend der andere Marmeladenglas etc. \u00f6ffnet, die Brote bestreicht, dann m\u00fcssen sie wieder gehalten werden, bis das Glas geschlossen und rutschfest in der Ecke der Bank verstaut wird. Segeln ist absolute Teamarbeit!<\/p>\n<p>Immerhin l\u00e4sst sich die Sonne blicken, und es wird so warm, dass wir unsere Kissen trocknen und uns selbst sogar duschen k\u00f6nnen. Auf dem Heck, im Sitzen. Unter uns rollen die Wellen hindurch, 2-3 Meter hoch.\u00a0 Duschen mit Ausblick sozusagen. Hat nicht jeder!<\/p>\n<p>Das Boot rollt so stark, dass unsere \u00fcblichen Zeitvertreibe anstrengend werden. Lesen macht keinen richtigen Spa\u00df. F\u00fcr Solitaire und Doppelkopf auf dem Tabletreicht es so grade&#8230;<\/p>\n<p>Au\u00dferdem m\u00fcssen wir reparieren. Die Steuerbordlampe ist ausgefallen, und das geht gar nicht. F\u00fcr Nichtsegler: Jedes Boot hat ab einer gewissen Gr\u00f6\u00dfe Lichter zu f\u00fchren, rot links, gr\u00fcn rechts, wei\u00df hinten, damit andere Boote es auch in der Nacht erkennen und die Position zuordnen k\u00f6nnen. F\u00e4llt eines der Lichter aus, ist es wie ein Ein\u00e4ugiger im Stra\u00dfenverkehr \u2013 gef\u00e4hrlich.<\/p>\n<p>Peter hangelt sich also nach vorn, um die Lampe abzuschrauben, und kommt entgeistert wieder. Lampe nebst Fassung in der Hand. Eine Schraube der Fassung ist weggerostet, das Kabel h\u00e4lt nicht mehr. Das ist besonders \u00e4rgerlich, als die L\u00e4mpchen letztes Jahr in der T\u00fcrkei erneuert und auf LED umgestellt wurden, und diese Schlamper haben weder die Fassung miterneuert, noch das Ganze abgedichtet. Nun kommt ungehindert bei jeder Welle Meerwasser an Leitungen und Kontakte, was das bedeutet, kann sich jeder vorstellen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir machen uns ans Reparieren. Nat\u00fcrlich haben wir einen L\u00f6tkolben an Bord, der mit 12 Volt-Strom arbeitet (\u00e4hm, ich wusste bis dato gar nicht, dass es so etwas gibt&#8230;).<\/p>\n<p>Das ist Zen: Einswerden mit L\u00f6tkolben, L\u00f6tzinn und Kabel bei dem Wellengang&#8230;<\/p>\n<p>Zwei Stunden sp\u00e4ter haben wir wieder gr\u00fcnes Licht.<\/p>\n<p>So geht der Tag schnell rum, und wir gew\u00f6hnen uns fast wieder an das Geeiere. Immerhin kommen wir so schneller an. Denken wir.<\/p>\n<p>Da schl\u00e4ft der Wind ein. Und dreht. Und dreht. Und dreht. Bis er aus Osten kommt. Genau gegen uns.<\/p>\n<p>Na super. Am-Wind-Kurs, und das noch nicht einmal zielgenau, wir m\u00fcssen nach S\u00fcden abdriften.<\/p>\n<p>Wir setzen alles an Segeln, was wir haben, sogar den Besan. Und d\u00fcmpeln dennoch nur mit 2,5, Knoten vorw\u00e4rts. Wir m\u00fcssen eine sehr starke Str\u00f6mung gegen uns haben.<\/p>\n<p>Abends bekommen wir Besuch. Auf dem Plotter, dem Bildschirm also am Kartentisch, erscheint ein Boot. Ein Segelboot.\u00a0 Die \u201elet\u2019sgo\u201c, die wir aus Bermuda kennen. Neuseel\u00e4nder. Was f\u00fcr eine nette \u00dcberraschung!Sie passieren uns in 12 sm Entfernung, aber es reicht zum Funken. Sie haben Bermuda Montag, zwei Tage nach uns also, verlassen und guten Wind gehabt. Das Tief ist wohl doch nicht so tief gekommen. Frohgemut ziehen sie an uns vorbei.<\/p>\n<p>Irgendetwas machen wir falsch&#8230;<\/p>\n<p>9.6., 6. Tag, 104 sm<\/p>\n<p>Morgens sind wir wie ger\u00e4dert. Die Nacht war anstrengend, das Schlagen der Wellen gegen den Bug heftig. Noch dazu hat es geregnet, an Schlafen auf Deck war also auch nicht zu denken. Unter Deck sowieso nicht.<\/p>\n<p>Das Fr\u00fchst\u00fcck findet unter Bedingungen wie s.o. statt&#8230;<\/p>\n<p>Und dann&#8230;klart es auf. Blauer Himmel! Sonne! Es wird warm!<\/p>\n<p>Das Barometer steigt. Und unsere Stimmung auch. Umso mehr, als der neue Wetterbericht kommt und uns eine klitzekleine M\u00f6glichkeit zeigt, in den Wind zu kommen, der uns genau auf die Azoren f\u00fchrt. (Basti, was meinst Du&#8230;????)<\/p>\n<p>Wir genie\u00dfen den Tag. Machen auch nur 3,5 Knoten im Schnitt, heute ist uns das egal.\u00a0 Das Wasser ist nicht mehr grau, sondern strahlend blau. Wir schaukeln leicht unter der Sonne, nachts kommt der Mond heraus \u2013 Vollmond.<\/p>\n<p>Zum gr\u00f6\u00dften Gl\u00fcck fehlen nur noch die Delphine oder Wale&#8230;aber wir wollen nicht unbescheiden sein. Aber die kleinen wunderh\u00fcbschen kleinen Quallen begleiten uns weiterhin &#8211; portugiesische Galeeren, denen wir im Wasser bestimmt nicht begegnen wollen, ganze Str\u00e4nde werden gesperrt, wenn sie in Massen kommen.<\/p>\n<p>Ich lese \u201eDer alte Mann und das Meer\u201c, endlich. Wo, wenn nicht hier&#8230;.<\/p>\n<p>In dem Moment, wo ich das schreibe, ruft Peter von oben. Delphine! Eine kleine, vierk\u00f6pfige Familie. Nun ist das Gl\u00fcck vollkommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>7.6., 4. Tag 32 Grad 48 N, 55 Grad 27 W, 116 sm Unsere Strategie scheint sich zu bew\u00e4hren. Der Wind kommt aus SW, wir segeln bei 120 Grad Raumschotkurs, und das ist der Kurs, den die Hugin liebt. Und wir mit ihr. 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