Nie wieder Samos!

Wir starten spät von Kos. Zum einen meinen wir, wie uns beim Einklarieren gesagt wurde, wieder Ausklarieren zu müssen (werch ein IIltum), zum anderen fiebere ich der ZEIT entgegen, in der Hoffnung, mehr über die Hintergründe des Putsches in der Türkei zu erfahren, (auch dies ein Irrtum), und die gibt es ab 9:00 im Zeitungsladen am Marktplatz.

Danach müssen wir noch das Boot sauber machen, alles festzurren, tanken…um 11:30 kommen wir endlich los. Richtung Leros., 25 sm. Das sind ca. 40 km. Keine große Sache.

Der Wind ist vielversprechend – 4 bis 5 Beaufort.

Aber er kommt direkt von Nordnordwest. Und da liegt Leros. Das heißt, wir müssen kreuzen. Und das ergibt die doppelte Strecke. Mindestens 40 sm also.

Noch dazu haben wir Wellen, die noch vom stärkeren Wind des Vortages kommen. Und die bremsen. Wir stampfen also mühsam voran.. Und überlegen uns, das Elend auf einer Backe, das heißt auf einem Bug, zu beenden und direkt nach Samos durchzusegeln, das wäre unsere übernächste Etappe gewesen. Nach Samos sind es nach Kartenlageca. 40 sm, auf unserem Kurs fast direkt zu erreichen. Ein guter, ja geradezu genialer Gedanke, finden wir.

Doch wir die Rechnung ohne den Wind gemacht. Der hält uns zum Narren. Wir reffen, reffen aus, reffen erneut…und kommen kaum vom Fleck. Um 17 Uhr sind wir noch auf Höhe von Leros. Egal, wir ziehen durch.

Um halb 8 sind wir auf der Höhe von Agathonisi. Und da verlässt uns der Wind. Das gefürchtete Windloch – wir oft sind wir an dieser Stelle schon reingefallen…

Wir dümpeln eine halbe Stunde, dann frischt der Wind endlich auf. Und wird zum Starkwind. 35 Knoten, da wird generell Sturmwarnung gegeben. Wir wollen schleunigst reffen und müssen dafür in den Wind gehen, da kommen uns zwei Schlepperverbände mit riesigen Fischfarmen im Schlepptau in die Quere. Die müssen wir durchlassen. Wir fallen ab vom Wind. Es kachelt, wie der Segler sagt, ohne Ende. Wir kämpfen.

Wir kommen weit ab vom Kurs. Fahren eine Wende, um wieder Land zu gewinnen. Aber der Wind hat gedreht und wir landen auf fast exakt dem gleichen Punkt, an dem wir eine Stunde vorher waren. Mittlerweile ist es dunkel.

Da reicht es uns nun doch und wir werfen den Motor an. Und brettern 12 sm bei fast 8 Beaufort gegen Wind und Wellen. Es ist die Pest! Segeln, fluche ich, ist nur was für Masochisten! Segeln, meint Peter, ist schön! Und dies halt  – Samos.

Es ist 23 Uhr, als wir in der Bucht von Pythagorion den Anker schmeißen. Hinter uns geht der Mond als roter Ballon auf, vor uns sieht man die Lichter der Kneipen im Ort, auf der anderen Seite, in der Ferne, die der Türkei. Und auf einmal ist es als hätten wir alle Segelqualen nie gehabt. Es ist schön! Also doch wieder – Samos? Nur nie wieder im Juli!

 

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Michael Kiefhaber
6 Jahre zuvor

Lieber Peter, für Euren Törn und speziell den heutigen Geburtstag wünsche ich Dir alles Gute. Berichtet weiterhin von Euren kleinen und großen Abenteuern und stayt always in tune Ihr Zwei….Es grüsst Euch aus dem hohen Norden Michael

Lucia (@lucie)
6 Jahre zuvor

Hallo ihr fleißigen Segler!
Eure Nachrichten verschönern mir den Tag und ich fühle mich euch sehr nahe dadurch. Endlich kann ich euch schreiben- Florian und Malina haben mir dabei geholfen.
Wir sind stolz auf euch! Keine großen Wellen und trotzdem viel Wind ⛵️☀️ Liebe Grüße von Lucie, Florian und Malina