Der Reihe nach…

20.6.2017, Faial, Horta

Wie beschrieben, weckt der Anblick der Insel Faial gemischte Gefühle. Wir sind wieder in Europa! Das ist, wie nach Hause zu kommen. Obwohl wir noch nie in Portugal, geschweige denn auf den Azoren waren – wir fühlen uns allein bei dem Gedanken daran entpannter. Kein Umrechnen mehr, Einkaufen wird leichter, alles ist vertrauter. Aber vertraut ist eben auch manchmal…langweilig. Skeptisch blicke ich auf die Landschaft, als wir Faial entlang fahren.

Alles so geordnet. Schmuck. Adrett. Könnte das Kinzigtal im Schwarzwald sein, oder das Allgäu.

Schmuck und adrett mag ich nun so gar nicht. Noch dazu regnet es, und es ist saukalt. Lange-Hosen-Wetter. Lange Hosen? Ich hab keine Ahnung, wo meine Jeans sind. Hab ich seit einem Jahr nicht mehr getragen. Nix wie weg hier.

Ich versuche, den Käpt’n zu bezirzen, einen U-Turn zu fahren. Wir gehen zurück! Und haben den Wind von hinten, das ist perfekt! Vorräte reichen auch, sofern man Nudeln mit Tomatensoße mag. Bitte!!! Ich find’s hier nicht so schön..

Der Käpt’n bliebt stoisch. Das kennt er von mir. Und dann kommt der zweite Blick…

Der folgt in der Tat, als wir um ein Cap biegen. Schon sieht es anders aus. Kolonialbauten. Ein kleines Städtchen. Etwas angegammelte, gelebte Häuser. Nett!

Wir möchten in die Marina. Auf Kanal 16, 10 antwortet niemand. Also anrufen. Oh, leider seien sie komplett voll, meint der Mitarbeiter der Captania. Aber wir könnten gern ins Päckchen! Uns wird ein Platz an einem riesigen Katamaran angeboten. Na gut. Dessen Bewohnerin heißt Ilka, ist Deutsche und sehr freundlich und hilfsbereit. Ich habe, noch traumatisiert durch das von-Bord-gehen auf Martinique, Bedenken, von der Hugin auf den Kat und von da an Land zu gehen, aber ich werd’s wohl müssen. Vielleicht schaffe ich’s ja mal, nicht ins Wasser zu fallen…

Kaum liegen wir, winkt uns jemand heftigst vom Kai aus zu. Sabrina und Hermann von der „Freedom“! Wir kennen sie von den BVIs, haben die fullmoonparty in der Tyrell Bay zusammen gefeiert, und uns dann verloren, sie sind von St. Martin aus gestartet. Wir hatten gedacht, dass sie längst auf dem Weg aufs Festland sind. Sie haben unseren Blog verfolgt und auf dem AIS gesehen, wann wir in Horta einlaufen. So ein netter Empfang! Schon ist das Ankommen schöner.

Wir klarieren ein und sind damit offiziell wieder in Europa.

Drehen eine Runde durch den Ort. Freundlich, entspannt. Viele Segler aus allen möglichen europäischen Ländern – Amerikaner und Canadier sind hier nicht mehr vertreten.

Es gibt für 2 Euro Handtücher mit Seife und Duschen. Duschen! DUSCHEN! HAAREWASCHEN!!! HEISSES WASSER!!!! Göttlich. Peter würde am liebsten gar nicht mehr unter dem Strahl hervorkommen. Ach, ist das gut.

Und beim ersten frisch gezapften europäischen Bier in der legendären Peter’s Sportsbar stellen wir fest, dass dieses Reisen süchtig macht. Wie sollen wir uns wieder an ein festes Haus, vier Wände und ein Dach gewöhnen? An den immer gleichen Tagesrhythmus? Den Trott?

Keine Sorge, wir kommen zurück. Haben wir versprochen, wir müssen ja auch wieder arbeiten und Geld verdienen, und wir freuen uns auf Euch! Ehrlich.

Trotzdem – wir würden am liebsten sofort wieder losstechen. Richtung Karibik…

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B. Förderer
4 Jahre zuvor

Na so gehts aber nicht…..herzlich Willkommen zurück in Europa ist doch herrlich hier..ich freue mich euch wieder gesund zurück in Europa zu wissen…auch freue ich mich, zu wissen das ihr nicht zu Joint-RumPunsh trinkenden Aussteigern geworden seit…vorallem bin ich Stolz auf den Kapitän und seine Schiffsfraumatrosin…Hut ab und Ahoi…lasst es euch gut gehen in Europa, mit viel frischem Gemüse usw. auch die guten Weine nicht zu vergessen….Welcome back ich liebe Euch bis bald mit Grüßen von der Alm Eure Brigitta