Überfahrt auf die Azoren: Tag 15

17.6.2017

37°41N, 31°39’654 W, 93 sm

Wir sitzen gemütlich beim Abendessen unter Deck, es regnet in Strömen, als der Wind beginnt, zu heulen. Schleunigst werfen wir uns in Schlechtwetterklamotten, lassen Tortellni Tortellini sein und eilen nach oben. Reffen! 25 Knoten bringt der Wind, die See rollt in langen Wellen heran, wir reffen die Fock und bergen das Groß. Stellen nach einer Weile fest, dass die Windsteueranlage so überfordert ist, und hissen den Besan. Mittlerweile kocht die See. Wir werden von übergriffigen Wellen patschnass, egal. Und stellen fest, dass das Wetter eigentlich auch Spaß macht.

Zumindest für mich hört der Spass auf, als aus den angekündigten 8 Beaufort in Böen regelmäßiger Starkind wird. Die Wellen, über 3 Meter hoch, donnern gegen den Rumpf, heben die Hugin und lassen sie wie eine heiße Kartoffel fallen. Ich ertappe mich dabei, wie ich in Gedanken alles zusammensuche, was wir in die Rettungsinsel mitnehmen müssen, falls das Boot in der Mitte zerbricht.

Tut es natürlich nicht. Unsere alte Dame schlägt sich wacker. Doch es ist brutal, zu hören, wie Wellen am Boot brechen.

Nach der Hinfahrt klüger geworden, haben wir das unterste Schott in den Niedergang gesteckt, um Wasser den Zugang ins Bootsinnere zu verwehren. Eine fünf Meter Welle setzt erst das Cockpit 40 Zentimeter unter Wasser und findet den Weg dann trotzdem über Lüftungen und Abzug. Zum Glück haben wir alle Laptops und elektronischen Kleingeräte im wasserdichten Rucksack verwahrt, aber Klamotten, Decke, Wände, Polster werden nass und salzig. Eine ganz schöne Sauerei.

Mittlerweile hat sich die See etwas beruhigt, Starkwind haben wir noch immer. Und werden damit wohl mindestens heute, Sonntag, noch leben müssen. Gemein. Nur noch 220 Meilen bis Horta, zwei Nächte…zum Glück.

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