Überfahrt auf die Azoren: Tag 10-12

13.6.2017

34°56’57 N, 44°59’W, 88sm

Das Etmal ist jämmerlich. Ihr habt in Deutschland schönes Wetter? Klar, das Azorenhoch. Wir haben Flaute.

Und dümpeln. Die Segel, die keinen Wind mehr haben, schlagen…Wir beschließen, den Parasailor zu setzen.

Dieses super Leichtwindsegel, 115 qm Fläche. Aber leider nur mit ziemlichem Geraffel zu setzen, weshalb wir oft davor kneifen. Alle Schoten müssen neu belegt, die Leinenführung muss peinlichst überdacht werden, nichts darf sich verheddern. Auf der Hinfahrt lag unser Rekord bei 1:48 Stunden. Aber wir haben ja Zeit…

Überfahrt auf die Azoren: Tag 7-9

 

10.6. 2017

33 Grad 51,8’ N, 50 Grad 24’ W, 87 sm, 795 sm insgesamt, noch ca. 1200 sm bis Horta/Azoren

Das Barometer steigt auf stolze 2026 hPa. Der Wind schläft komplett ein. Wir befinden uns inmitten eines Hochs. Da gibt es keinen Wind.

Was tun? Dümpeln oder motoren?

Dümpeln hieße, auf der Stelle zu stehen, wer weiß, wie lange. Ich überschlage im Kopf unsere Vorräte. Wenn wir noch drei Wochen brauchen, gibt es am Ende nur noch Nudeln mit Tomatensoße oder Ketchup,  selbstgebackenes Brot mit Marmelade und/oderScheiblettenkäse. Aber verhungern werden wir nicht. Wasser liefert uns der Wassermacher, auch kein Problem. Aber noch drei Wochen…????

Überfahrt zu den Azoren: Tag 4-6

7.6., 4. Tag

32 Grad 48 N, 55 Grad 27 W, 116 sm

Unsere Strategie scheint sich zu bewähren. Der Wind kommt aus SW, wir segeln bei 120 Grad Raumschotkurs, und das ist der Kurs, den die Hugin liebt. Und wir mit ihr. Kein Schaukeln, keine große Schräglage, trotzdem wir bei 13 Koten Wind fast 6 Knoten Geschwindigkeit. So könnte es bleiben!

Zwei Stunden lang. Dann dreht der Wind unerbittlich auf W. Wir bekommen ihn genau von hinten. Und das heißt wieder: Schaukeln. Von einem Bug auf den anderen. Bei jedem schritt festhalten, akrobatisches Kochen, unmögliches Schlafen in der Koje, weil man von einer Seite auf die andere rollt. Am angenehmsten ist das noch im Cockpit, mit einem Arm eingehakt, ist das Schlafen auf der Sitzbank komfortabler als unter Deck.

Überfahrt zu den Azoren: Tag 1-3

4.6.2017, 1.Tag

32 Grad 25 N, 62 Grad 21,05 W,
Etmal (= in 24 Stunden gefahrene Seemeilen)122 sm

Flaute. Entgegen der Wettervorhersage fast überhaupt kein Wind, dafür nachts Gewitter. Wir können dank Radars ausweichen, sehen die Blitze am Horizont. Sieht toll aus, aber auch bedrohlich. Dann Regen, Regen, Regen…Kein guter Start.

5.6., 2. Tag

32 Grad 56 N, 60 Grad 10 W, 116 sm

Immer noch Flaute. Wär nicht so schlimm, aber lange halten wir das nicht durch, dann geht unser Dieselvorrat zur Neige. Und die Nudeln. Wir gehen weiter nördlich und versuchen, zwischen Flaute und Starkwind einen Kurs zu finden…

Ablegen

Bermuda, 3.6.2017

Das fängt ja gut an. Es regnet leicht, dicke Wolken. Und wir müssen los…

Wir checken noch ein Mal das Wetter. Es sieht so lala aus, nicht grade bilderbuchmäßig. Erst okay, dann lange Flaute, dann geht’s wieder, dann haben wir den Wind dagegen…-aber das ist eine Langfristprognose, die sich noch enorm ändern kann. Ich hatte mich eigentlich auf die Überfahrt gefreut, die Begeisterung ist nun etwas gedämpft, aber wir werden das schon schaffen. Und Angst habe ich keine mehr. Wir bekommen das Wetter regelmäßig von „Wetterwelt“ und Sebastian schaut auch drauf. Kriegen wir schon hin.

Der 2. Juni…

Bermuda, 2.6.2017

ist (auch wenn das Datum bei Älteren vielleicht nicht ganz so gute Erinnerungen hervorruft) ein schöner Tag.

Wir feiern ihn ausführlich und unternehmen all das, was wir hier gern getan haben:

Vor dem Frühstück schwimmen gehen.

Lange frühstücken, in St. Georges herumbummeln, im Supermarkt am Buffet superleckeres Mittagessen kaufen (Fisch, Hühnchen, Gemüse, Salat, Cassava, von dem ein Einheimischer sagte, das sei wie Ostern und Weihnachten zusammen – er hat Recht!) und im Park damit picknicken.

Im Wahoo’s America’s Cup gucken.

Frozen Yogurt essen – ach, wie werde ich den vermissen.

Tall ships

Bermuda, 31.5.2017

Bermuda ist nicht nur Gastgeber der ultramodernen Rennmaschinen, sondern heißt auch die schönen alten, großen Schiffe willkommen – parallel zum America’s Cup gibt es die Tall Ship Party. Riesige, alte Schooner aus aller Herren Länder laufen ein, eine Pracht, sie zu sehen.

Wir gehen erstmal ins Naturkunde-Museum, Fische angucken. Die, die wir live bewundert haben, hier bekommen sie auch Namen. Angel Fish, parrotfish, Bigeye und andere, die wir leider schon wieder vergessen haben, weil die Namen auf Englisch sind. Toll gemacht.

Und dann stürzen wir uns ins Nachtleben, das Strassenfest zu Ehren der Oldtimer.

America’s Cup live

Bermuda, Dockyard, 30.5.2017

Wo wir das größte Segelereignis schon vor der Haustür haben, beschließen wir, es uns doch live anzusehen. Nehmen die Fähre nach Dockyard, wo die Rennen stattfinden. Und betreten das Dorf, quasi das Olympiadorf, wo die Boote liegen, Tribünen aufgebaut sind, die live-Übertragung erfolgt.

Und es ist – Verzeihung: geil.

Eine tolle Stimmung, wir sehen die Rennmaschinen wieder einlaufen in ihre Boxen, die Fans, den Jubel. Und wir mittendrin! Unglaublich.