Erste Kontakte

24.7.2017, Baleeira, Algarve, Portugal/Festland

Wir wachen früh auf. Stecken vorsichtig den Kopf aus der Luke – naja, geht so. Es windet immer noch stark. Die Küste ist immer noch kahl. Es ist kalt. Das Wasser hat 18 Grad! Und wir haben uns so auf das Schwimmen gefreut! Wer macht hier freiwillig Urlaub? Es gibt Hotels, es gibt einen Strand – offensichtlich ist die Bucht begehrt. Naja, schaun wir mal.

Wir frühstücken erstmal. Und genießen es, wieder entspannt Kaffee trinken zu können, ohne zu fürchten, dass der sich in die nächste Ecke ergießt…

Die Ankunft

Atlantik, 23.7. 2017, 18:15 Uhr, 36°59N, 009°05W,

Immer noch kein Land in Sicht. Die Wellen sind deutlich flacher geworden, wir müssten in der Abdeckung sein. Wir spähen und suchen – nichts. Jetzt müsste doch endlich die Küste Portugals auftauchen! Da! Eine Wolke? Nein, sie bleibt. Es sind Felsen. Cabo de Sao Vincente. Wir sind da. Wir haben es geschafft. Wir fallen uns in die Arme. Zum Jubeln sind wir viel zu müde.

Cabo de Sao Vincente, sagenumwoben. Von da sind die portugiesischen Eroberer gestartet. Wir kehren zurück.

Windstärke 8

23.7.2017 Atlantik, 36°57,781N, 009°0914W

Langweilig? So etwas sollte man nie denken, noch nicht mal ganz leise – in der letzten Hirnschublade. Vielleicht will der Atlantik uns an unserem letzten Tag auf dem offenen Meer zeigen, was er kann (er kann noch viel mehr, fürchten wir). Er bläst sich auf.

Wir sind gewappnet. Sebastian hat uns vorgewarnt: 20 bis 30 Knoten seien zu erwarten, die Wetterwelt schickt uns Wetterdaten bis zu 28 Knoten. Aber die übertreiben für gewöhnlich etwas…

Notstand

Atlantik, 21.7.2017, 37°16 N, 015°00W

Der Wind ist launisch. Er kommt aus Nord, was gut ist und uns Halbwind beschert. Das Boot schaukelt trotzdem ordentlich. Aber mal bietet er uns 10 Knoten, die nicht zum segeln reichen, dann wieder 18 – wir machen den Motor an und aus um Halbstundenrhythmus. Wir könnten ja dümpeln und uns mit 3 Knoten Geschwindigkeit begnügen, aber wir wollen nun doch bald ankommen.

Mein Lesestoff geht zur Neige. Ich hab keine Lust mehr, Doppelkopf gegen mich selbst auf dem Tablet zu spielen, auch Solitaire, mein stetiger Zeitvertreib seit wir gestartet sind, beginnt, mich zu langweilen.

Petri heil

Atlantik, 20.7.2017, 37°10N, 17°56W

Es ist nicht so, dass wir nur Pech haben. Peter ist das Anglerglück hold, er fängt einen super Bonito. Den bereiten wir diesmal als Filets zu und haben das beste Fischessen seit sehr langer Zeit, besser als alles, was wir in Restaurants serviert bekamen. Es geht eben doch nichts über einen Angler an Bord!

Überfahrt Sao Miguel-Portugal/Festland

Auf dem Atlantik , 17.-20.7.2017, 37°10N, 17°56W

…am 17.7. um 16 Uhr legen wir ab.

Ich hatte unsere Reise über den Atlantik mit der Ankunft auf den Azoren mental beendet. Von dort aufs Festland – so um die 500 Meilen. Ein Klacks. Dachte ich. Welch ein Irrtum.

Es sind über 800 Meilen bis Lagos, etwa 7 Tage. Und darauf habe ich, haben wir beide, gar keine Lust mehr. Wohl scheint der Wind uns relativ wohlgesonnen, aber wir könnten auf diesen letzten Abschnitt auf dem Ozean verzichten.

Es fängt auch nicht so toll an.

Ponta Delgada- hoffentlich nicht zum Letzten

Sao Miguel, 16.7.2017

Viel wäre noch zu erzählen über diese zauberhafte Insel. Vom Mittelalterfest in Ribeira Grande (jaja, es ist Peter, der da munter mittanzt!) Einer Likörfabrik. Den wunderschön gepflasterten Gassen der Hauptstadt. Den botanischen Gärten, die zeigen, dass die Natur die wirkliche Künstlerin ist….

Aber der Wind ruft.

„Wenn die Tage mit uns vorbei sind“, steht am Ende der Tourismus-Broschüre über Sao Miguel,  „und ihr noch mehr sehen wollt, bleibt doch einfach! Und wenn ihr denn wirklich gehen müsst, dann hört eben auf, unsere frische Luft zu atmen. Geht doch zurück und esst Fastfood, das nach Kohlendioxyd schmeckt. Aber kommt wieder. Und kommt einfach vorbei. Wir schließen unsere Türen nie ab. Noch nicht einmal nachts, wenn wir schlafen.“

Träume

Sao Miguel, 14.7.2017

Wir biegen ab ins Landesinnere, um noch einmal mitten im Wald Schwefelquellen zu genießen. In der Caldera velha. Diesmal kommen sie als Wasserfall aus dem Erdinneren, von dem man sich massieren lassen kann. Oder man lässt sich in einem der Wasserbecken treiben.

Peter will am liebsten gar nicht mehr gehen. „Und du freust dich wieder auf deine Arbeit?“ murmelt er entgeistert.  Das, mein lieber Mann, habe ich so bestimmt nicht gesagt…“Es muss doch“, sinniert mein Liebster weiter, „einen Weg geben, mit weniger auszukommen…!“Gibt es. Viele Segler haben Haus und Hof verkauft, um sich ihren Traum zu erfüllen. Aber wir sind ja, seufz, vernünftig. Und verlässlich. Wir kommen zurück. Nach Hause. Versprochen.

Der Osten

Sao Miguel, 14.7.2017

Am dritten Tag umrunden wir die Insel im Osten. Spektakuläre Ausblicke über schroffe Felsen in die Tiefe, an den schönsten Stellen gibt es Picknickstellen, Tische, Bänke, Grillplätze, Wasserhähne, (saubere) Toiletten.

Die Infrasturktur ist sensationell. Alles durchdacht und höchst geschmackvoll gestaltet. Selbst die Leitplanken entlang der Nationalstraße sind hier mit ausgehöhlten Holzstämmen verblendet. Wanderwege – und von denen gibt es viele – exzellent beschildert. Und es ist sauber, kaum eine wilde Müllhalde zu sehen.